Übergewichtige Kinder ändern Essverhalten mit “Obeldicks”
Obelix ist groß und schwer. Sein maßloser Wildschwein-Verzehr qualifiziert ihn auf den ersten Blick nicht zum Maskottchen eines Programms für übergewichtige Kinder. Doch die gallische Comicfigur ist auch stark und selbstbewusst und gerade deshalb der richtige Namensgeber für “Obeldicks”. An der Vestischen Kinderklinik in Datteln lernen unter diesem Titel adipöse Kinder und Jugendliche, wie sie ihre Essgewohnheiten ändern.15% der Kinder in Deutschland sind übergewichtig
“Sie tragen ein hohes Risiko, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken”, warnt Prof. Dr. Thomas Reinehr, der das Institut für Pädiatrische Ernährungsmedizin an der Dattelner Kinderklinik leitet. Noch bedrohlicher: Etwa ein Drittel der Kinder, die an “Obeldicks” teilnehmen, leiden unter einer gestörten Glukosetoleranz, der Vorstufe eines Diabetes. “Bei 3 – 5 der 500 übergewichtigen Kinder, die sich pro Jahr an der Klinik vorstellen, ist der Diabetes Typ 2 bereits feststellbar.” Beim Patiententag auf der Diabetes Messe 2010 am Sonntag, 28. Februar, im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland in Münster ist Übergewicht und Diabetes bei Kindern ein Schwerpunktthema. Prof. Dr. Reinehr stellt Betroffenen, Eltern und Gesundheitsinteressierten Behandlungsmöglichkeiten vor. Er empfiehlt eine so genannte “Lifestyle-Intervention” wie “Obeldicks”, die bei den Lebensgewohnheiten der Jugendlichen ansetzt. Bedenklich stimmt ihn, dass etwa ein Drittel der 1.000 in Deutschland registrierten jugendlichen Typ 2-Diabetiker sich gar nicht behandeln lässt. “Diese Betroffenen spüren die Frühform des Diabetes nicht und nehmen sie deshalb nicht ernst.” Damit es nicht so weit kommt, trainieren sich die Kinder bei “Obeldicks” über einen Zeitraum zwischen 6 Monaten und einem Jahr jene Gewohnheiten ab, die zum Übergewicht geführt haben: Vor allem mangelnde Bewegung, unausgewogene Ernährung und Frustessen. 6 Mädchen und Jungen im Alter von 8 – 10 Jahren treffen sich zum Beispiel wöchentlich in der Juniorgruppe. Bevor es zum Sport geht, haben die Kinder in einem Klassenzimmer ihre Mappen aufgeschlagen. Auf den Deckeln klebt ein Bild von Obelix, auf Sandras Ordner überdeckt der Gallier den Clown einer Fastfoodkette. Dass die Kinder Pommes essen und Cola trinken, findet Kursleiterin und Psychologin Katrin Winkel nicht problematisch. Dafür gibt es schließlich die Ampelkarte: Hier tragen die Mädchen und Jungen ein, was sie im Laufe der Woche gegessen haben: Grüne Striche für Vollkornbrot, gelbe für Putenschnitzel. Michael hat 13 Striche in der roten Spalte gesammelt. Bei Kursbeginn waren es bis zu 40.
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