Kategorie-Archiv: 2009

Stiftung Dianiño

Diabetes-Nanny: nötig oder unnötig?

Professor Borkenstein, Universitätskinderklinik Graz

Ein bisher gesundes Kind wird zunehmend müde, verliert an Gewicht, hat viel Harn und viel Durst und wird aus diesem Grund beim Arzt vorgestellt. Die Diagnose lautet “Diabetes mellitus” und Eltern und Kind wird mitgeteilt, dass eine lebenslange Behandlung mit Insulin nötig sein wird. Verständlicherweise ist diese Diagnose häufig für die Eltern, aber auch für das Kind ein Schock.

Man will die Diagnose Diabetes mellitus nicht wahrhaben und kann sich mit der Erkrankung nicht identifizieren. Die Erstbehandlung erfolgt meistens stationär in einer dafür eingerichteten Abteilung für Kinder und Jugendliche. Neben der Therapie der akuten Stoffwechselentgleisung und der Initiierung der folgenden Dauertherapie der diabetischen Stoffwechsellage beginnt durch ein Diabetesteam eine ausführliche Schulung von Eltern und Patienten, um das nötige Wissen zu vermitteln, damit Selbstkontrolle und Selbsttherapie ermöglicht werden.

Daneben spielen psychosoziale Aspekte eine große Rolle. Die Annahme und Verarbeitung der schockierenden Diagnose muss unterstützt werden. – Wie auch immer, irgendwann einmal kommt der Moment, wo das Kind wieder ins häusliche Milieu zurückkehrt und die Therapie dort durch die Familie und das Kind durchgeführt werden soll. Die Phasen der Krankheitsbewältigung laufen sehr individuell ab und nicht immer gelingt es den Beteiligten, zur Phase der Akzeptanz und des Annehmens zu finden. Häufig sind Kind und Familie, oft aber auch die sonstigen Betreuenden durch die Probleme mit der Erkrankung inhaltlich, zeitlich und im Detail überfordert. Dies betrifft nicht nur den medizinischen Teil (z. B. Blutzuckerbestimmung, Insulininjektion, Insulinanpassung, Diätanpassung …), sondern vor allem auch die psychosozialen Aspekte (Berufstätigkeit der Mutter, Kindergartenplatz, Schulbesuch, finanzielle Aspekte …).

Die im Jahr 2004 von Frau Ingrid Pfaff und MitarbeiterInnen gegründete Stiftung DIANINO hat es sich zur Aufgabe gemacht, Familien bei diesen Belastungen schnelle und praktische Unterstützung zu leisten. Die dafür etablierte Hilfe ist: Die Diabetes-Nanny

Wer kann eine Diabetes-Nanny werden, was sind deren Aufgaben?

Diabetes-Nanny kann werden, wer über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen mit dem Typ I Diabetes verfügt und bereit ist, ehrenamtlich zu arbeiten und in betroffene Familien, aber auch in Kindergärten, Schulen zu gehen und dort zu helfen. Die Unterstützung ist kann sehr unterschiedlich sein und umfasst ein großes und breites Spektrum: medizinische Probleme, Probleme im Handling der Erkrankung, Betreuungsprobleme, Integrationsprobleme, um nur einige wichtige Aspekte zu nennen. Je nach Problem ist auch die Dauer, welche die Diabetes-Nanny in den entsprechenden Familien verbringt bzw. den entsprechenden Familien zu Hilfe steht, durchaus unterschiedlich lang. Wichtig für die Familie ist, dass diese Hilfe schnell und unkompliziert zur Verfügung steht und dass der Familie dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Derzeit sind für die Stiftung Dianiño 50 Diabetes-Nannies kontinuierlich im Einsatz. Ca. 15% davon haben selbst ein oder mehrere Kinder mit Typ I Diabetes. Fast 80% kommen aus dem Bereich Kinderkrankenpflege, Diabetologie bzw. sind Kinderkrankenschwestern und DiabetesberaterInnen. Ungefähr 20% der Hilfsmaßnahmen betreffen die Diabetesbehandlung an sich (z. B. Insulininjektion, Anpassung, Selbstkontrolle). Der Rest betrifft Schulungsmaßnahmen (z. B. in Kindergarten und Schule) sowie Arbeiten im sozialen und organisatorischen Bereich. Besonders hingewiesen werden soll auf den hohen Anteil der Hilfeleistungen für Familien mit Migrationshintergrund (fast 15%).

Unterdessen sind bereits an die 300 Hilfseinsätze von Diabetes-Nannies durchgeführt worden, die von den betroffenen Familien, aber auch den Betreuenden durchweg positiv beurteilt werden. Wenn auch durch Diabetes-Nannys sicherlich nicht alle Probleme lösen können, die aus der unterschiedlich empfundenen Belastung durch die Erkrankung entstehen, so tragen diese Einsätze doch ohne Zweifel sehr dazu bei, dass sowohl die Krankheitsbewältigung an sich, als auch Probleme in der Therapie und in der Betreuung des Diabetes mellitus sowohl medizinischer als auch psychosozialer Art sehr positiv beeinflusst werden können.

Der Stiftung Dianiño ist für diese Initiative sehr zu danken und für die weitere Arbeit viel Erfolg zu wünschen!

Diabetesrisiko auch vom Alter abhängig

Diabetesrisiko auch altersabhängig

Studie zeigt ein erhöhtes Risiko für Typ 2-Diabetes mellitus in der älteren deutschen Bevölkerung

Das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf und das Helmholtz Zentrum München haben festgestellt, dass im europäischen Vergleich die ältere deutsche Bevölkerung ein hohes Diabetesrisiko hat. Männer im Alter von 55 bis 74 Jahren haben dabei ein doppelt so hohes Risiko wie Frauen, an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken. In der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen entwickeln Männer doppelt so häufig einen Typ 2-Diabetes wie Frauen. Dieses Ergebnis ist Teil der Nachfolgeuntersuchung des bevölkerungsbezogenen KORA Surveys, die von Herrn Dr. Rathmann und Mitarbeitern des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in Kooperation mit Frau Dr. Meisinger und Mitarbeitern vom Helmholz Zentrum in München durchgeführt wurde.

In den Jahren von 1999 bis 2001 wurde in der Region Augsburg eine repräsentative Stichprobe der älteren Bevölkerung (55-74 Jahre) gezogen. Mit einem oralen Zuckerbelastungstest (OGTT) sollte eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Anzahl von Menschen mit Diabetes ermittelt werden. Der OGTT ist der “Goldstandard” zur Diabetes-Diagnose in epidemiologischen Studien. Wenn im Ergebnis des oralen Zuckerbelastungstests der Blutzuckerwert nicht mehr normal ist, aber auch noch nicht die Grenzwerte für Diabetes überschreitet, bezeichnet man das als “Prädiabetes”.

Die Folgeuntersuchung nach 7 Jahren förderte folgende Ergebnisse zutage

  1. 10,5% der Teilnehmer entwickelten innerhalb von 7 Jahren einen Typ 2-Diabetes, ohne einen vorherigen Prädiabetes gezeigt zu haben. Hierunter befanden sich etwa doppelt so viele Männer wie Frauen.
  2. Von den Patienten, die zu Beginn einen Prädiabetes sowohl mit einem erhöhten Nüchternblutzucker zwischen 110 und 125 mg/dl als auch einem erhöhten 2-Stundenwert im OGTT (140 bis 199 mg/dl) aufwiesen, entwickelte etwa die Hälfte einen manifesten Diabetes.
  3. Als weitere Risikofaktoren für die Diabetesentwicklung zeigten sich insbesondere ein erhöhter Bauchumfang (Männer >=102 cm, Frauen >=88 cm), starkes Übergewicht (Body mass index über 30 kg/m2) sowie das Vorhandensein eines Diabetes bei mindestens einem Elternteil (genetische Belastung). Zudem zeigt die Studie, dass Rauchen die Progression der Diabetes-Erkrankung vielleicht unterstützen könnte.

Die Daten der KORA-Studie zeigen den erhöhten Bauchumfang als wichtigen Faktor für das höhere Diabetesrisiko bei Männern: Im Durchschnitt wurden bei Männern 10 cm mehr Bauchumfang gemessen als bei Frauen. Die so genannte abdominale Adipositas (zentrale Fettleibigkeit, “zuviel an innerem Bauchfett”) geht mit Insulinresistenz (d.h. einer Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin) einher. Ursache ist die Stoffwechselaktivität des Bacuhfetts, das eine Reihe von Substanzen produziert, die u. a. den Blutzucker nachteilig beeinflussen können. Um das Risiko für einen Typ 2 Diabetes möglichst frühzeitig zu erkennen, sollte daher nicht nur das Körpergewicht, sondern auch der Bauchumfang gemessen werden. Damit kann zum ersten Mal die Häufigkeit von Typ 2 Diabetes mellitus in der älteren deutschen Bevölkerung eingeschätzt werden. “Unsere Ergebnisse zeigen, dass vor allem ältere deutsche Männer im europäischen Vergleich ein hohes Risiko haben, einen Typ 2 Diabetes mellitus zu entwickeln,” so Dr. Wolfgang Rathmann vom DDZ. “Unsere Studie zeigt den oralen Glukosetoleranztest nicht nur zur Sicherung der Diagnose, sondern auch zur Risiko-Vorhersage als nützliches Instrument,” ergänzt PD Dr. Christa Meisinger vom Helmholtz Zentrum München.

An der Erstuntersuchung in den Jahren 1999 bis 2001 hatten insgesamt 1.353 zufällig ausgewählte Personen teilgenommen, an der zwischen 2006 und 2008 durchgeführten Nachfolgeuntersuchung 887. Die Ergebnisse verdeutlichen den Wert von Kohortenstudien für die epidemiologische Forschung: Durch die langjährige Beobachtung der Personen können Erkrankungsrisiken bestimmt werden und so neue Vorhersage- und Vorsorgemöglichkeiten entwickelt werden.

Magenband anerkannt

Magenbänder zur Rückbildung eines Diabetes 2

LAP-BAND(TM) ist in Europa das erste Adipositas-Interventions-System zur Gewichtsgewichtsreduktion, das bei Typ-2-Diabetes eine Rückbildung oder Verbesserung erzielen konnte

Mediziner fordern eine stärkere Berücksichtigung von Magenbändern bei der Behandlung von adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Das LAP-BAND(TM) AP System von Allergan zur Behandlung der Adipositas hat als erstes Gewichtsreduktionssystem, das eine Rückbildung oder Verbesserung eines bereits bestehenden Typ-2-Diabetes bewirkt, eine offizielle europäische Zulassung erhalten. Der Type-2-Diabetes hat pandemische Ausmaße angenommen[i] und das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist bei adipösen Personen gegenüber dem Rest der Bevölkerung um den Faktor 10 erhöht. Adipositas liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 vor. Adipositas und Typ-2-Diabetes werden im nächsten Jahrzehnt wahrscheinlich die größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme darstellen.[ii] Nachhaltiges Abnehmen kann durch den gegenwärtigen Lebensstil und die derzeitigen pharmakologischen Ansätze bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes mit nur wenig Erfolg erreicht werden.[iii],[iv],[v]

“Der Type-2-Diabetes wird immer mehr zu einem Problem, da die Prävalenz von schwerer oder krankhafter Adipositas in der Bevölkerung steigt. Der nachweislich erfolgreiche Einsatz von Magenband-Verfahren bei diesen Patienten kommt daher genau zur rechten Zeit. Damit steht uns eine leistungsstarke Behandlungsalternative zur Verfügung, mit der wir das Problem der Morbidität und Mortalität, die mit der Kombination von Diabetes und Adipositas (»Diabesity«) einhergeht, angehen können. Der Begriff »Diabesity« wurde von Shape Up America kreiert, um die direkte Beziehung zwischen Diabetes und Adipositas zu umreißen”, so Dr. Jonathan Pinkney, Consultant Senior Lecturer und Diabetologe, Cornwall.

“Das Einsetzen eines Magenbands ist eine sehr wirksame Behandlungsoption bei ausgewählten Patienten mit Adipositas, die mit herkömmlichen Methoden zur Gewichtsreduktion nicht an Gewicht verlieren. Die Anerkennung eines Medizinprodukts von der Art des LAP-BAND(TM) AP Systems durch die europäischen Gesundheitsbehörden ist ein wichtiger Fortschritt für die Ärzteschaft und die adipösen Patienten in unseren Bemühungen um eine effektive Behandlung des Typ-2-Diabetes.”

Das operative Einsetzen eines Magenbands ist bereits eine etablierte Methode, mit der ein nachhaltiges Abnehmen erzielt werden kann. Im Jahr 2006 empfahl das National Institute of Clinical Excellence bariatrische Operationen wie das Einsetzen eines Magenbands als Behandlungsoption für adipöse Menschen mit einem BMI zwischen 35kg/m2 und 40kg/m2 und Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck sowie für Menschen mit einem BMI über 40kg/m2.[vi] Paul Super, ein auf Adipositasintervention spezialisierter bariatrischer Chirurg, sagt: “Es gibt viele Menschen, die, obwohl sie von einem Magenband profitieren würden, derzeit nicht zur Durchführung des Eingriffs überwiesen werden. In Anbetracht dieser neuen Entwicklung sollten Ärzte, die adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes behandeln, das operative Einsetzen eines Magenbands ernsthaft als Option in Erwägung ziehen. Der Eingriff kann solchen Patienten dabei helfen, ihr Gewicht zu reduzieren und unter Kontrolle zu halten. Bezeichnenderweise macht die erweiterte Kennzeichnung für das LAP-BAND(TM) AP System deutlich, dass dessen Nutzen über die reine Gewichtsreduktion hinaus anerkannt wird und auch die Rückbildung oder Behandlung des Typ-2-Diabetes mit einschließt. Diese wichtige Änderung der Kennzeichnung bestätigt die Erkenntnisse, die zeigen, dass das Anlegen eines Magenbands die Behandlung des Typ-2-Diabetes erleichtern könnte.”

Der TÜV SÜD – eine benannte Stelle der Europäischen Union, die für die Zertifizierung von Medizinprodukten verantwortlich ist, hat das LAP-BAND(tm) AP System als erstes Medizinprodukt für die Adipositasintervention anerkannt, das in Europa offiziell für die Gewichtsreduktion zugelassen wurde, weil die damit erreichte Gewichtsreduktion zur Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes führt. So ist jetzt in der Gebrauchsanweisung des LAP-BAND(TM) AP Systems bzw. der Kennzeichnung festgehalten, dass die Gewichtsreduktion in Zusammenhang mit dem LAP-BAND(tm) AP System nachweislich zu einer Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes geführt hat. Die Daten, die zur Erweiterung der Produktkennzeichnung geführt haben, stammen aus einer wegweisenden, zweijährigen, randomisierten, kontrollierten klinischen Studie. Diese Studie hat gezeigt, dass bei Patienten, die mit dem LAP-BAND(TM)AP System an Gewicht abgenommen hatten, die Wahrscheinlichkeit der Rückbildung des Typ-2-Diabetes fünf Mal höher war als bei Patienten mit konventioneller Diabetestherapie (73% gegenüber 13%). Es handelt sich hierbei um die erste randomisierte, kontrollierte Studie, in der eine chirurgisch herbeigeführte Gewichtsreduktion mit der konventionellen Therapie zur Behandlung des Typ-2-Diabetes bei adipösen Patienten verglichen wurde. Diese Resultate bestätigen die Ergebnisse vorangegangener Beobachtungsstudien.[vii]

Informationen zu Allergan, Inc.

Das 1950 gegründete Unternehmen Allergan, Inc., mit Sitz in Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien, ist ein in verschiedenen Spezialbereichen tätiges Gesundheitsunternehmen, das innovative Pharmazeutika, biologische Produkte und Medizingeräte entdeckt, entwickelt und vermarktet. So verhilft das Unternehmen Menschen zu größtmöglicher Lebensqualität – sie können klarer sehen, sich freier bewegen und sich optimaler selbst verwirklichen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 8.000 Mitarbeiter und betreibt hochmoderne F&E-Einrichtungen und Produktionsstätten von Weltklasse. Neben seiner Forschungsorganisation, die das gesamte Spektrum von der Entdeckung bis zur Entwicklung abdeckt, ist Allergan mit seinen globalen Marketing- und Vertriebsfähigkeiten in über 100 Ländern vertreten.

Was ist das LAP-BAND(TM) AP System?

Bei dem LAP-BAND(TM)AP System handelt es sich um ein System, das eine Langzeitgewichtsreduktion unterstützt und die mit schwerer und krankhafter Adipositas einhergehenden Gesundheitsrisiken senkt. Im Gegensatz zur Magen-Bypass-Operation wird bei diesem Verfahren der Magen nicht aufgeschnitten und geklammert und es wird auch keine Umleitung des Darmes vorgenommen. Der Eingriff ist reversibel.[viii],[ix],[x] Unter Verwendung von laparoskopischen (Schlüsselloch-) Techniken wird ein aufblasbares Silikonband um den oberen Abschnitt des Magens des Patienten gelegt, so dass eine kleine Tasche entsteht. Das Wirkprinzip des LAP-BAND(TM)AP Systems beruht auf einer Verkleinerung der Kapazität des Magens des Patienten, die dazu führt, dass sich früher ein Sättigungsgefühl einstellt. Das LAP-BAND(TM)AP System ist anpassbar, d. h., das aufblasbare Band kann enger oder weiter gestellt werden und hilft so dem Patienten, ein Maß an Sättigung zu erreichen und gleichzeitig eine gesunde Ernährung beizubehalten.

Biografien

Dr. Jonathan Pinkney ist ein Diabetologe beim Royal Cornwall Hospitals NHS Trust.

Herr Paul Super ist ein auf die Behandlung von Übergewicht spezialisierter Chirurg am Heartlands Hospital in Birmingham. Herr Super setzt durchschnittlich 20 Patienten pro Woche in seinen NHS- und Privatpraxen ein Magenband ein.

Weitere Informationen zur Gewichtsreduktion erhalten Sie unter: www.weightloss4diabetes.co.uk

Literatur
[i] Diabetes – the policy puzzle: is Europe making progress? FEND & IDF Europe report, second edition. 2008
[ii] Zimmet P, Alberti KG, Shaw J. Global and societal implications of the diabetes epidemic. Nature. 2001;414(6865):782-787.
[iii] Khan MA, St Peter JV, Breen GA, Hartley GG, Vessey JT. Diabetes disease stage predicts weight loss outcomes with long-term appetite suppressants. Obes Res.2000;8(1):43-48
[iv] Zimmet P, Shaw J, Alberti KG. Preventing type 2 diabetes and the dysmetabolic syndrome in the real world: a realistic view. Diabet Med. 2003;20(9): 693-702.
[v] Wing RR, Marcus MD, Epstein LH, Salata R. Type II diabetic subjects lose less weight than their overweight nondiabetic spouses. Diabetes Care. 1987; 10(5):563-566
[vi] Obesity: guidance on the prevention, identification, assessment and management of overweight and obesity in adults and Children. NICE Guideline December 2006
[vii] Dixon, JB, O’Brien, PE et al. Adjustable gastric banding and conventional therapy for type 2 diabetes: a randomized controlled trial. JAMA. Vol 299 (3) January 2008
[viii] Chapman A, Game P, OBrien P, Maddern G, Kiroff G, Foster B, Ham J. Executive summary: Laparoscopic adjustable gastric banding for the treatment of obesity: Update and re-appraisal. Australian Safety and Efficacy Register of New Interventional Procedures-Surgical (ASERNIP-S) Report No. 31, Second Edition. Adelaide, South Australia: ASERNIP-S, June 2002.
[ix] Parikh MS, Shen R, Weiner M, Siegel N, Ren CJ. Laparoscopic bariatricsurgery in super-obese patients (BMI>50) is safe and effective: a review of 332 patients. Obes Surg. 2005 Jun-Jul;15(6):858-63
[x] Chapman AE, Kiroff G, Game P, Foster B, O’Brien P, Ham J, Maddern GJ. Laparoscopic adjustable gastric banding in the treatment of obesity: a systematic literature review. Surgery 2004;135:326-351

Stoffwechsel-Gedächtnis

Unvergesslicher Diabetes

Stoffwechsel-Gedächtnis “lernt” schädlichen Zuckerabbau

Gelernt ist gelernt. – Was für den Schüler die Basis des Erfolgs darstellt, ist für den Zuckerkranken allem Anschein nach die Basis schlimmer Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Augenschäden, Nervenschäden und Herzinfarkt: Wie US-amerikanische und britische Wissenschaftler in der renommierten Fachzeitschrift “Diabetic Medicine” berichteten, hat auch unser Stoffwechsel ein Gedächtnis.

Dieses Stoffwechsel-Gedächtnis merkt sich quasi bei erhöhten Blutzuckerspiegeln krankhafte Stoffwechselwege. Schon in einem sehr frühen Stadium des Diabetes “lernt” der Körper schädliche Zuckerabbauwege, welche Folgeschäden an Nerven, Blutgefäßen und Organen entstehen lassen. Sind diese Prozesse einmal initiiert, laufen sie auch dann weiter ab, wenn der Blutzucker später wieder gut eingestellt ist. Als Verursacher dieses Stoffwechselgedächtnisses ist eine durch den erhöhten Blutzucker ausgelöste irreversible Verzuckerung von Eiweiß-Molekülen in den Zellen anzusehen. Durch sie wird eine Kaskade an zerstörerischen Prozessen in Gang gesetzt. Unter anderem werden toxische Zucker-Eiweiß-Verbindungen, so genannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts), gebildet, die massiv die Folgeschäden des Diabetes vorantreiben.

“Für den Diabetiker bedeutet das, dass Frühdiagnose und intensive Frühtherapie für die Prognose ganz entscheidend sind”, kommentierte die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Primäre Maßnahme ist eine konsequent gute Blutzuckereinstellung. Eine weitere Strategie gegen den folgenschweren Lernprozess des Stoffwechsels und die Begleiterkrankungen des Diabetes sehen die Autoren in einer medikamentösen Unterdrückung der AGE-Bildung.

Ermutigende Nachrichten kommen hier aus der Biofaktoren-Forschung: “Studien zeigten, dass eine Vorstufe vom Vitamin B1, das Benfotiamin, die Bildung von AGEs im diabetischen Stoffwechsel wirksam hemmt”, erklärte die GfB. Benfotiamin aktiviere nach Ausführung der Wissenschaftler von der GfB ein körpereigenes Entgiftungsenzym, das den Zuckerabbau auf einen harmlosen Stoffwechselweg leitet. Dadurch werden im Frühstadium des Diabetes die Lernvorgänge unterbunden, aber auch in einem späteren Stadium noch die zur Gefäß-, Nerv- und Organschädigung beitragenden Mechanismen verzögert. Die vitaminähnliche Substanz wird schon seit vielen Jahren erfolgreich in der Prävention und Therapie diabetischer Nervenerkrankungen (Neuropathien) eingesetzt. Experimentell konnte Benfotiamin auch diabetische Nieren- und Augenschäden verhindern.

Literatur
Diabet. Med. 24, 582-586 (2007) – Weitere Infos: www.gf-biofaktoren.de

Blutzuckerselbstmessung

Blutzuckerselbstmessung sinnvoll in Diabetes-Therapie einbauen

Berlin – Messen Patienten regelmäßig ihre Blutzuckerwerte, kann dies ihre Diabetes-Therapie verbessern. Die Diabetesorganisation diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) setzen sich deshalb in einer Stellungnahme dafür ein, die Selbstmessung der Blutglukose-Werte als Bestandteil der Therapie weiterhin zu finanzieren und auf diese Weise hohe Kosten für Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden. Eine Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird in Kürze veröffentlicht.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht zurzeit den Nutzen dieser Messung bei Typ 2 Diabetes ohne Insulinbehandlung und hat ein vorläufiges Ergebnis veröffentlicht.

Die Selbstmessung bringt zwar – isoliert betrachtet – keinen Nutzen für die Verbesserung der Werte. Sinnvoll ist sie jedoch, wenn Patienten ihre Ernährung, Bewegung und Medikation den selbst gewonnenen Werten entsprechend anpassen und Ärzte sie zur Überprüfung ihrer Therapieempfehlungen heranziehen. “Es gibt bisher kaum Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen der diagnostischen Methode der Selbstmessung unter Berücksichtigung des Patienten- und Arztverhaltens auf den Krankheitsverlauf untersucht haben”, so die Diabetes-Experten um Professor Dr. Stephan Martin, die eine Stellungnahme von diabetesDE und DDG zur IQWiG-Untersuchung verfasst haben.

Das Hauptproblem in der isolierten Bewertung liege darin, dass die heutigen Behandlungskonzepte eine ganze Palette an Maßnahmen beinhalten. Entsprechend schwierig sei es, den Einfluss der Selbstmessung allein zu betrachten. Die Experten fordern deshalb, die Selbstmessung weiterhin in der Therapie des Diabetes Typ 2 zu belassen. Eine praktikable Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird derzeit von einer Expertengruppe entwickelt, die unter anderem die Pflichten von Patienten und Arzt nennt, wenn Blutglukoseteststreifen verordnet werden. Diese Leitlinie wird in Kürzte in der Fachzeitschrift “Der Diabetologe” publiziert und auf der Internetseite www.diabetesde.org veröffentlicht.

Das IQWiG führt zurzeit eine Untersuchung zum Thema “Urin- und Blutzuckerselbstmessung bei Diabetes mellitus Typ 2″ im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Behandlung des Diabetes Typ 2 ohne Insulin durch. Das Institut stellt in einem vorläufigen Ergebnis fest, dass die herangezogenen Studien – in denen die Blutzuckerselbstmessung isoliert bewertet wird – keine Verbesserung der Blutzuckerwerte durch Blutzuckerselbstmessung belegen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen jedoch bereits, wie wichtig eine gute Blutzuckereinstellung ist, um Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus zu verhindern. Nur eine auf jeden Patienten individuell angepasste Therapie kann dazu beitragen, Schäden wie zum Beispiel Nierenversagen, Blindheit, Herz-Kreislauferkranken oder Fußamputationen zu vermeiden. Gelingt es, durch eine gute Diabetes-Therapie diese schweren und auch teuren Folgen zu verhindern, erhöht dies die Lebensqualität der Patienten und senkt Krankheitskosten.

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BdSN Checkliste Urlaub

Reisen mit Diabetes

Checkliste: Urlaubsplanung für Diabetiker

Diabetes ist kein Hindernis für einen schönen Urlaub, wenn Sie sich Zeit nehmen für die Reise-Vorbereitungen. Denn sowohl Unterzuckerung als auch Überzucker, der zu Stoffwechselentgleisungen führen kann, sollten vermieden werden. Um Ihnen bei Ihren Reise-Vorbereitungen zu helfen, hat der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) eine Checkliste erstellt, was Sie bei der Urlaubsplanung berücksichtigen sollten. Egal ob Kurztrip oder ausgedehnte Reise, ob aktive Entdeckungstour oder Entspannung am Strand – mit diesen Tipps wird jeder Urlaub auch mit Diabetes zu einem ungetrübten Urlaubserlebnis.

Allgemeines

  • Wenn Sie sich im Urlaub mehr bewegen als sonst, kann dies zu Blutzuckerschwankungen führen. Dies sollten Sie bei der Blutzuckermessung und Medikamenteneinstellung denken.
  • Um eine mögliche Unterzuckerung zu vermeiden, überlegen Sie sich schon vor der Reise, wie und wo Sie sich mit Zwischenmahlzeiten versorgen können. Sie können sich auch selbst ausreichend mit Reiseproviant versorgen, beispielsweise mit Knäckebrot oder Getränken. Hierbei müssen Sie allerdings je nach Urlaubsziel die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Auch zur Überbrückung unerwarteter Verzögerungen der (Weiter-) Reise sollte der Proviant ausreichen.
  • Auch im Urlaub müssen Sie wie zu Hause täglich Ihre Füße kontrollieren. Bereits kleine Verletzungen, Blasen oder Risse können bei Diabetikern schnell zu Entzündungen und damit zum diabetischen Fußsyndrom führen.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Insulin spritzen und sich intensiver Sonneneinwirkung aussetzen. Trifft die heiße Sonne auf die frische Injektionsstelle, kann die Insulinwirkung beschleunigt werden und so möglicherweise zu einer Unterzuckerung führen. Das Insulin darf keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Graben Sie es notfalls am Strand im Sand ein oder verwenden Sie eine Kühltasche – vermeiden Sie in diesem Fall jedoch einen direkten Kontakt des Insulins mit dem Eisbeutel!
  • Nicht nur für Diabetiker gilt: Sprechen Sie vor Ihrer Reise mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihren Impfstatus und lassen Sie eventuell fehlende Impfungen vornehmen.
  • Auch wenn Sie die Sprache Ihres Urlaubslandes sprechen, kann es hilfreich sein, sich wichtige Begriffe in der jeweiligen Landessprache zu notieren, wie z.B. die Namen bestimmter Lebensmittel oder Redewendungen wie “Ich bin …”, “Ich habe …”, “Ich brauche …” oder einzelne Worte wie “Diabetiker”, “Unterzuckerung”, “Insulin”, “Medikamente”, “Spritzen” oder “Arzt”.

Krankenversicherung

Bei Reisen ins Ausland sollten Sie unbedingt spätestens 6 Wochen vor Beginn der Reise Kontakt zu Ihrer Krankenversicherung aufnehmen, da der Versicherungsschutz nur im Inland gilt. Durch die europäische Krankenversicherungskarte gilt der Versicherungsschutz in der europäischen Union. Bei Reisen in Länder außerhalb der EU-Mitgliedsstaaten empfiehlt es sich, eine zusätzliche private Auslandsreisekrankenversicherung mit Krankenrücktransport abzuschließen.

Kofferpacken

Wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen ist es wichtig, dass sie beim Packen zwischen Handgepäck und Hauptgepäck unterscheiden, da es im Frachtraum, in dem das Hauptgepäck während des Fluges lagert, zu extremen Temperaturunterschieden kommen kann, die sowohl Insulin als auch die Enzyme in den Blutzuckerteststreifen schädigen können.

Ins Handgepäck, das Sie während des Fluges bei sich tragen, gehören deshalb

  • Gekühltes Insulin für die gesamte Reise
  • Pen oder Spritzen
  • Glucagonspritze, wenn benötigt
  • Blutzuckermessgerät und alle Teststreifen
  • Blutzuckertagebuch
  • Acetonteststreifen
  • Ausreichend Pennadeln und Lanzetten je nach Dauer des Fluges
  • Abwurfbehälter
  • Not-Broteinheiten
  • Diabetesausweis (in verschiedenen Sprachen), um bei den Kontrollen nachweisen zu können, dass die Flüssigkeit im Handgepäck (Insulin) für die Reise notwendig ist. Der Ausweis sollte in der jeweiligen Landessprache und in englischer Sprache verfasst sein.

In das Hauptgepäck packen Sie

  • Ersatzpen, Einmalpen oder Einmalspritze
  • Ersatz-Blutzuckermessgerät und Ersatzbatterien
  • BE-Tabelle
  • Pennadeln und Lanzetten
  • Kühlbox fürs Insulin
  • Andere Medikamente (z.B. Durchfalltabletten, Schmerztabletten, Insektenabwehr, Pflaster, Fieberthermometer)

Der individuelle Bedarf ist natürlich von Diabetiker zu Diabetiker unterschiedlich und hängt auch von der Länge des Fluges ab. Sollten Sie unsicher sein, welche Punkte dieser Auflistung für Sie relevant sind, sprechen Sie bitte vor dem Flug mit Ihrem Arzt.

Zeitzonen und Zeitverschiebung

Die Zeitzonen-Verschiebung beeinflusst Ihren Insulinbedarf unterschiedlich: Bei Flügen in den Westen werden die Tage länger und es kann zur Insulinmangelversorgung und so zu einer Überzuckerung mit der Gefahr einer Stoffwechselentgleisung kommen. Um die “Insulinlücken” mit der Ortszeit am Reiseziel in Einklang zu bringen, wird mehr Insulin benötigt. Bei Flügen in den Osten hingegen werden die Tage kürzer und es kann leichter zu einer Unterzuckerung kommen, da für den Tag weniger Insulin als gewöhnlich benötigt wird.

Beträgt die Zeitverschiebung bei Ihrer Reise weniger als 6 Stunden, können Sie den Insulinbedarf mit schnell wirksamem Bolusinsulin regeln, das Sie beispielsweise zur zusätzlichen Mahlzeit im Flugzeug spritzen können. Liegt die Zeitverschiebung bei über 6 Stunden, sollten sie Ihren Insulinbedarf mit dem Basalinsulin regulieren, das sie regelmäßig spritzen. Hierbei wird das Insulin vorsichtig erhöht oder verringert. Falls Sie Insulin spritzen oder Tabletten nehmen, die die Insulinausschüttung fördern, sprechen Sie auf jeden Fall vor der Reise mit Ihrem Arzt über die genaue Anpassung.

Jetlag

Unser biologischer Rhythmus wird von der Drehung der Erde durch die Licht- und Dunkelphasen bestimmt. Bei Reisen durch mehrere Zeitzonen kann die innere Uhr gestört werden und es kommt zum “Jetlag”. Der Anpassungsprozess kann 3 bis 5 Tage dauern und zu zahlreichen Symptomen führen, wie gestörter Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Übelkeit. Diese Symptome sind schwer von einer Über- oder Unterzuckerung zu unterscheiden, so dass die regelmäßige Blutzuckermessung einen noch größeren Stellenwert bekommt.

Messen Sie Ihren Blutzucker immer dann, wenn Sie sich unsicher fühlen, spätestens jedoch nach drei Stunden. Generell gilt: Sprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und Diabetologen ab und lassen Sie sich von ihm darüber beraten, wie Sie Ihre Medikamenteneinstellung im Urlaub am besten der veränderten Situation anpassen.

Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung Diabeteskranker weiter zu verbessern.

Prävention

Durch normale Blutzucker- und Blutdruckwerte vorbeugen

Nierenschäden als Folge des Diabetes sind vermeidbar

Erkranken aufgrund eines Diabetes mellitus die Nieren, hat dies einen großen Einfluss auf Lebenszeit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes. Leiden Betroffene an der so genannten diabetischen Nephropathie, drohen ihnen nicht nur Nierenversagen und Dialyse. Auch das vorzeitige Sterberisiko ist erhöht. Neue Forschungserkenntnisse könnten zukünftig Therapien ermöglichen, die bis ins hohe Alter die Nierenfunktion erhält. Schon heute gibt es Wege, die Niere zu schützen. Darauf weisen diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer aktuellen Veröffentlichung hin.

Bis zu 50 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden nach längerer Diabetesdauer unter einer mehr oder weniger ausgeprägten diabetischen Nephropathie. Das erste Anzeichen ist das Auftreten von Eiweiß im Urin. Denn es gelingt der Niere nicht mehr, dieses im Blut zurück zu halten, da ihre Filter, die Glomeruli, durchlässig geworden sind. Die Poren in den Filtern werden von spezialisierten Fußzellen gebildet. Ihre Schädigung ist vermutlich der Beginn der Nephropathie. Professor Dr. med. Gunter Wolf von der Universität Jena informiert in einem aktuell veröffentlichten Übersichtsartikel über neue Erkenntnisse aus der Forschung, die zukünftig die diabetische Nephropathie verhindern oder sogar heilen könnten.

Der Artikel von Professor Dr. med. Gunter Wolf in der Fachzeitschrift “Der Diabetologe” bestätigt jedoch auch, dass an Diabetiker schon heute ihre Nieren bis ins hohe Alter schützen können: Neuere Untersuchungen an großen Patientengruppen zeigen, dass langfristig gute Blutzuckerwerte zumindest das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen. Ebenso wichtig ist es, den häufig parallel auftretenden hohen Blutdruck zu behandeln. Eine Therapie mit Medikamenten aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Angiotensin-Blocker ist hier Standard. Diese greifen direkt in die Regulierung des Blutdrucks ein, an der die Nieren maßgeblich beteiligt sind.

Um die nierenschützende Wirkung der Medikamente zu steigern, werden heute höhere Dosierungen als noch vor einigen Jahren eingesetzt. Der Versuch, die Wirkung durch die Kombination beider Substanzklassen weiter zu verbessern, ist jedoch in einer aktuellen Studie gescheitert. Ein weiterer, neuer Wirkstoff gegen den hohen Blutdruck ist das Aliskiren. Wird es mit einem Angiotensin-Blocker kombiniert, sinkt die Eiweißausscheidung über die Niere. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob dies langfristig hilft, die Nieren von Menschen mit Diabetes gesund zu halten.

Die gesunde und funktionsfähige Niere ist in der Diabetes-Therapie ein wichtiges Therapieziel. Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und diabetesDE sind Diabetiker die größte Patientengruppe, die jedes Jahr neu mit einem Nierenersatzverfahren behandelt werden muss. Zurzeit erhalten etwa 20.000 der an Diabetes Erkrankten eine Dialyse.

Aktiv gegen Diabetes

Diabetiker auf dem Westweg (Schwarzwald)

Aktiv gegen Diabetes

Bewegung ist gesund. Das weiß inzwischen wohl jeder! Dass körperliche Aktivität gerade für Typ-2-Diabetiker fester Bestandteil der Therapie sein sollte, hat sich inzwischen auch herumgesprochen. Und trotzdem. Die wenigstens Diabetiker setzen dieses theoretische Wissen in die Praxis um. Warum?

Sicher spielt dabei die persönliche Motivation eine entscheidende Rolle. Es fällt eben schwer, sich alleine aufzumachen und durch den Park zu spazieren. Und natürlich stellen sich gerade Ältere die Frage, woher sie Hilfe erhalten sollen, falls es unterwegs z. B. zu einer Hypoglykämie kommt.

Wir wollen Diabetiker motivieren, indem wir Bewegung zum Event machen

Wandern in der Gruppe unter fachkundiger Anleitung und medizinischer Betreuung bringts. Wandern hat in den letzten Jahren zu Recht den Ruf verloren, unmodern und langweilig zu sein. Wandern wurde zum Kult!

Am 19. April startet erstmalig die Initiative: “Aktiv gegen Diabetes – Diabetiker auf dem Westweg!” Neben der Förderung der Gesundheit und der verbesserten Diabetestherapie der teilnehmenden Typ-2-Diabetiker wird das Ziel verfolgt, in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für das Thema Diabetes und Bewegung zu erreichen und die Akzeptanz dieses Themas bei den Betroffenen zu erhöhen. Die Initiative soll ab 2009 jährlich wiederholt werden.

Die für diese Initiative gegründete Arbeitsgemeinschaft: Aktiv gegen Diabetes mit den Mitgliedern AOK Mittlerer Oberrhein, Deutscher Diabetiker Bund – BV-Karlsruhe, Schwarzwaldverein e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den wohl schönsten Höhenweg des Schwarzwaldes, den Westweg, von Pforzheim nach Basel, mit Diabetikern zu erwandern. Die Wanderung erfolgt in 8 Etappen, ab April an jeweils einem Wochenende im Monat. Die Gruppenstärke ist je Etappe auf 50 Teilnehmer beschränkt. Die medizinische Betreuung während der Etappen erfolgt ehrenamtlich durch einige der namhaftesten Diabetologen in Baden-Württemberg, außerdem sind bei jeder Wanderung Diabetes-Berater/innen bzw. Diabetes-Assistenten/innen mit unterwegs.

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Zwei professionelle Wanderführer sorgen dafür, dass schöne und ungefährliche Wege gegangen werden, die Wanderer die Schönheiten des Schwarzwaldes sehenund pünktlich an den Zielorten ankommen. Die Wanderungen starten jeweils am Samstagmorgen und enden Sonntagnachmittag. Ein Begleitfahrzeug transportiert das Gepäck der Teilnehmer und ggf. auch Wanderer, die eine Pause brauchen. An den Samstagabenden wird der Tag gemeinsam bei einem gemütlichen Abendessen beendet und der Ablauf des nächsten Wandertages besprochen.

Folgende Etappen sind für 2009 geplant (Änderungen vorbehalten)

1 18. April Pforzheim Bahnhof Schwanner Warte 18,5
19. April Schwanner Warte Bad Herrenalb Bahnhof 15
2 16. Mai Skiheim Talwiese Gaistal Forbach 15
17. Mai Forbach Hundseck 16
3 20. Juni Hundseck Ruhestein 18
21. Juni Ruhestein Alexanderschanze 15
4 18. Juli Hausach Bahnhof Schöne Aussicht 16
19. Juli Schöne Aussicht Martinskapelle 15
5 22. August Martinskapelle Kalte Herberge 16
23. August Kalte Herberge Titisee Bahnhof 20
6 19. September Titisee Bahnhof Feldberger Hof 20
20. September Feldberger Hof Wiedener Eck 20
7 17. Oktober Wiedener Eck Müllheimer Egerten 20
18. Oktober Müllheimer Egerten Wollbach Egerten 17
8 14. November Wollbach Egerten Burg Rötteln 13
15. November Burg Rötteln Basel Badischer Bahnhof 13

Medizinische Betreuung

Als industrieller Hauptsponsor werden von Roche Diagnostic für jeden Teilnehmer Blutzuckertestgeräte und Teststreifen zur Verfügung gestellt. OMRON Medizintechnik hält für die Wanderer Schrittzähler bereit. Während der Wanderungen wird der Blutzucker regelmäßig gemessen und zusammen mit den gelaufenen Schritten, den aufgenommen Kohlenhydraten und den blutzuckersenkenden Medikamenten dokumentiert. Die Wanderer erhalten nach jeder Tour ein individuelles Streckenprofil.

Motivation

Die Wanderungen sollen unter den Teilnehmern ein “Wir-Gefühl” erzeugen und sie dabei unterstützen, sich zum Diabetes bekennen zu können. Natürlich sollen die Wanderungen auch zu einem aktiveren und gesünderen Leben mit Diabetes motivieren. Sie sollen dazu beitragen, dass Diabetiker sich treffen, um gemeinsam aktiv zu werden und zu erleben, dass auch sie trotz einer chronischen Krankheit Herausforderungen annehmen können.

Neue Ansätze in der Diabetes-Forschung

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Professor Dr. Elmar Peschke, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Weltweit ist die Wissenschaft auf der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes mellitus, weil eine stetig ansteigende Anzahl Menschen von dieser meist als Wohlstandskrankheit auftretenden Erkrankung betroffen ist. Allein in Deutschland sind es nahezu acht Millionen Patienten, denen jede neue Erkenntnis über den Diabetes zugutekommt. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Anatomie und Zellbiologie) haben einen neuen Ansatz gefunden, der möglicherweise in eine neue Therapieform münden kann.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Elmar Peschke entdeckten unter anderem, dass bei Diabetikern im Vergleich zum Gesunden das Hormon Melatonin deutlich verringert im Blut zu finden ist. Da Melatonin einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Insulinproduktion nimmt, sieht Professor Peschke in diesen Erkenntnissen einen neuen Ansatz für weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die dann in eine neue Therapie des Diabetes münden könnten. In Zellexperimenten konnten die Wissenschaftler belegen, dass Melatonin die stimulierte Insulinsekretion hemmt.

Melatonin ist ein Hormon, welches vor allem in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen maßgeblich beeinflusst. Die Melatoninkonzentration ist nachts am höchsten. Jetlag und Schichtarbeit sind mit gestörter Synthese und Ausschüttung von Melatonin verbunden. Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann zu Schlafstörungen führen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Melatoninproduktion ab. Die Arbeitsgruppe um Professor Peschke fand heraus, dass die Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse Melatoninrezeptoren aufweisen, die möglicherweise auf die tagesrhythmische Insulinproduktion Einfluss nehmen. Der enge funktionelle Zusammenhang zwischen Insulin und Melatonin sowie die wechselseitige Beeinflussung gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Arbeitsgruppe und begründet die Hoffnung, dass sich perspektivisch aus dieser Kenntnis Therapiestrategien ergeben könnten.

Das Langzeitforschungsprojekt der Arbeitsgruppe Peschke “Zeitstrukturen endokriner Systeme” wird von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig auch in den kommenden fast vier Jahren gefördert, damit diese ergebnisreiche Forschung fortgesetzt werden kann. Das ist das Ergebnis einer soeben erfolgten Evaluierung durch eine externe Kommission, die das Projekt positiv begutachtet und der Union der Akademien Deutschlands zur Weiterführung empfohlen hat. Der Evaluierungskommission konnten 48 Publikationen und 71 Kurzpublikationen sowie 3 Endokrinologie-Bände vorgelegt werden, die im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind. Projektbegleitend wurden ferner 42 Kolloquien mit internationaler Beteiligung durchgeführt, die gemeinsam von der halleschen Universität mit der Sächsischen Akademie veranstaltet wurden und der Öffentlichkeit zugänglich waren. Bereits seit 2000 unterstützt die Sächsische Akademie (Landesakademie für die Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen) die Projektarbeit. Geldgeber sind je zur Hälfte der Bund und das Land Sachsen-Anhalt. Ingesamt werden etwa zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgereicht, davon etwa 600.000 Euro in den kommenden Jahren bis Ende 2012. Von den Fördergeldern werden zwei Wissenschaftler und eine technische Mitarbeiterin sowie Verbrauchsmaterialien bezahlt.

Professor Elmar Peschke freut sich über die positive Begutachtung und die Fortsetzung der Förderung: “Wir sehen darin eine Anerkennung unserer wissenschaftlichen Arbeit und sehen uns bestärkt, unsere wissenschaftlichen Ansätze weiter zu verfolgen.” Mittlerweile knüpfen zahlreiche Forschergruppen, unter anderem in den Vereinigten Staaten und in Schweden, an die in Halle erzielten Ergebnisse an. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen, unter anderem in “Nature genetics”, wird auf die halleschen Erkenntnisse Bezug genommen. Perspektivisch wollen die halleschen Forscher vorrangig klären, durch welche Mechanismen ein gestörter Melatoninhaushalt auf die Entstehung des Diabetes mellitus Einfluss nehmen könnte. Von einer klinischen Anwendung der Erkenntnisse am Patienten ist die Wissenschaft allerdings noch weit entfernt. “Viel Forschungsarbeit”, sagt Professor Elmar Peschke, “liegt noch vor uns.”

Regelmäßige Untersuchungen gefordert

Durchblutungsstörungen verkürzen Lebenszeit bei Diabetes

Deutsche Diabetes-Gesellschaft fordert regelmäßige Untersuchungen

Ist der Zuckerhaushalt gestört, leiden als Folge die großen und kleinen Blutgefäße. Menschen mit Diabetes mellitus erkranken deshalb doppelt so häufig an einer peripheren Durchblutungsstörung (pAVK) wie Menschen ohne Diabetes. Eine aktuelle Studie bei fast 7000 älteren Menschen zeigt, dass die Kombination pAVK und Diabetes die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) empfiehlt daher, dass Ärzte Diabetiker regelmäßig auf die Verschlusskrankheit untersuchen. Wird diese früh erkannt, können Risiken wie Schlaganfall und Herzinfarkt reduziert werden. Die periphere Durchblutungsstörung ist eine häufig unterschätzte Folgeerkrankung des Diabetes. Tritt sie mit Diabetes gemeinsam auf, haben Erkrankte eine verkürzte Lebensdauer.

Die Studie “German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index” (getABI) untersuchte 6880 Patienten aus knapp 350 Hausarztpraxen, die älter als 65 Jahre waren, über den Zeitraum von fünf Jahren. Das Risiko zu sterben, war bei Menschen mit Diabetes und PAVK um das Dreifache erhöht im Vergleich zu gesunden Menschen. “Ärzte müssen Menschen mit Diabetes und pAVK als Hochrisikopatienten behandeln”, so PD Dr. med. habil. Rainer Lundershausen, Pressesprecher der DDG, Erfurt.

Eine einfache, unblutige und sichere Diagnose der pAVK ist der Knöchel-Arm-Index oder “ankle brachial index” (ABI): Bei dem Test misst der Arzt zunächst den Blutdruck an der Wade knapp oberhalb des Fußgelenks. Diesen Wert teilt er durch den Blutdruck, den er wie üblich am Arm misst. Liegt der ABI unter 0,9, spricht dies für eine Durchblutungsstörung der Beine. Diese bleibt ohne den Knöchel-Arm-Index oft lange unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Symptome auf wie Schmerzen in den Waden. Bei Diabetes-Patienten mit einer Mediasklerose, bei der die mittlere Wandschicht der Arterien verkalkt, liefert der Knöchel-Arm-Index allerdings keine sichere Diagnose.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft fordert, alle Diabetes-Patienten regelmäßig mit geeigneten Methoden auf pAVK zu untersuchen.