Kategorie-Archiv: 2009

Initiative

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Zukunft Ernährung

“Essen wir uns zu Tode?! – Initiative ist gefragt!” Hochkarätiger Beirat stärkt neue Initiative “Zukunft Ernährung e. V.”

Wir lügen uns Tag für Tag in die Tasche, zumindest wenn es um unsere Ernährung geht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Infratest-Umfrage, die die neue Initiative “Zukunft Ernährung e. V.” in Auftrag gegeben hat. 85% der deutschen Erwachsenen sind fest davon überzeugt, sich gesund zu ernähren. Dies steht im deutlichen Gegensatz zur Realität. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Experten aus Medizin, Wissenschaft und Lifestyle wurden diese Erkenntnisse diskutiert. Dabei wurden auch die Visionen und Ziele der Initiative “Zukunft Ernährung e. V.” in München vorgestellt.

Herzinfarkt, Diabetes mellitus, Adipositas und Krebs

Das stetig steigende Aufkommen von Zivilisationskrankheiten macht nur zu deutlich: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Das bestätigt auch Prof. Dr. Dr. Karlheinz Schmidt, wissenschaftlicher Beirat der Initiative Zukunft Ernährung: “Die Multimorbidität (Mehrfacherkrankung) im Alter und der damit verbundene Pflegenotstand werden uns überrollen, wenn wir nicht unseren Lebensstil, d. h. Ernährung und körperliche Aktivität im Sinne der Krankheitsprävention ändern.” Nach den Erfahrungen des Vorstandvorsitzenden der IPO (International Prevention Organization) essen wir nämlich im Hinblick auf den Energieverbrauch nicht nur zuviel, sondern auch das Falsche. So werden trotz aller Aufklärung die empfohlenen Tagesmengen an Obst und Gemüse unterschritten. Rund Dreiviertel aller Männer und Frauen sind unzureichend mit Folsäure und Vitamin D versorgt, daher kann man hier getrost von einer Unterversorgung sprechen.

Keine Lust, keine Zeit, kein Geld

Zeitnot, Geschmacksvorlieben, magelnde Motivation und zu hohe Kosten werden laut Infratest als Gründe für eine ungesunde Ernährung angegeben. “Der hohe Zeitaufwand kann kein Argument sein,” betont Starkoch Holger Stromberg, der die Initiative ebenfalls als Beirat unterstützt. Für Ernährungsspezialistin Dr. med. Stephanie Grabhorn sind die in der Befragung genannten Argumente keine Überraschung. “Neben den Genen bestimmen nämlich Verhaltensmuster, die uns schon in frühester Kindheit antrainiert wurden, unser Essverhalten,” weiß sie.

Rationale Entscheidungen beeinflussen nur sehr geringfügig die Lebensmittelauswahl. Dr. Grabhorn: “Deswegen ist es so schwierig, das Essverhalten eines Erwachsenen langfristig zu verändern.” Die oberflächlichen Informationen aus den Medien, mit denen sich die meisten Deutschen über Ernährungsfragen informierten, könnten kein tiefergehendes Grundverständnis in ernährungsphysiologische Zusammenhänge vermitteln, kritisiert die Expertin.

“Preiswürdiges” Engagement

Angesichts der bedenklichen Entwicklung gibt es bereits verstärkt staatliche Initiativen. Aber auch persönliches Engagement ist gefragt. So rief der Unternehmer Dr. Kristian Glagau die Initiative Zukunft Ernährung e.V. ins Leben. Unterstützt von hochkarätigen Experten aus Medizin, Wissenschaft, Sport und Lifestyle hat sie sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für die Bedeutung einer gesunden Ernährung zu schärfen. “Wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich Ernährungsmedizin wollen wir ebenso fördern wie alltagstaugliche Lösungsvorschläge,” erklärt der Gründer der Initiative Dr. Kristian Glagau.

Herausragende Leistungen und Projekte aus dem Bereich Ernährung und Gesundheitsförderung werden künftig in besonderem Maße gewürdigt und mit dem neuen Award Zukunft Ernährung ausgezeichnet. Dieser ist mit 10.000 EUR dotiert und wird jährlich verliehen. Regelmäßige Foren “Zukunft Ernährung” sollen den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaftlern, Medizinern, Ernährungsexperten und der breiten Öffentlichkeit anregen. Auch bestehendes Engagement wird unterstützt. So spendet die Initiative Zukunft Ernährung pro Beiratsmitglied (aktuell 16 Beiratsmitglieder) jährlich 1.000 EUR für gemeinnützige Projekte.

Informationen zur Initiative und ihren Projekten: www.zukunft-ernährung.de

Diabetes-Messe 2010

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Patiententag

Diabetes Messe 2010 bietet Vorträge, Workshops und Gesundheitstests

Viele Diabetiker müssen mit einem permanenten Brennen, Kribbeln und Stechen leben. Die Ursache, ein erkranktes Nervensystem, wird häufig übersehen und das Leiden falsch therapiert. Chronische Schmerzen bilden daher einen Themenschwerpunkt des Patiententags, der am Sonntag, 28. Februar, im Rahmen der Diabetes Messe 2010 in Münster, Messe und Congress Centrum Halle Münsterland, stattfindet.

Chronischen Schmerzpatienten die Angst nehmen

Wer sich über seine Krankheit informiert, kann seine Lebensqualität steigern. Dabei unterstützt die Diabetes-Messe erneut Betroffene und alle Interessierte. Sie können am Patiententag mit renommierten Experten ins Gespräch kommen und praktische Anregungen für ein gesünderes Leben mitnehmen. Jeweils rund 6.000 Besucher nutzten in den vergangenen Jahren dieses Angebot, das den zweitägigen Fachkongress ergänzt. Maßgeblich mitgestaltet wird das Programm des Patiententages vom Deutschen Diabetiker Bund und der Deutschen Schmerzliga. “Chronische Schmerzen können nicht mit Mitteln aus der Hausapotheke therapiert werden”, unterstreicht deren Vizepräsident Harry Kletzko. Denn in diesem Fall leiten die Nerven nicht bloß die Schmerzen ans Gehirn weiter, sondern sind selbst Ausgangspunkt eines äußerst quälenden Leidens. “Das betrifft gerade viele Diabetiker, deren Nerven durch eine nicht optimale Einstellung irreparabel geschädigt wurden”, erklärt er. Diabetes und Schmerzen würden aber oft getrennt voneinander behandelt, der Zusammenhang bleibe unerkannt. “Wir möchten, gemeinsam mit Ärzten, Betroffenen die Angst vor den schmerztherapeutischen Maßnahmen nehmen und darüber aufklären, wie chronische Nervenschmerzen erkannt und therapiert werden”, erläutert Harry Kletzko. “So können zu einer medikamentösen Behandlung, was viele Schmerzpatienten gar nicht wissen, auch Antidepressiva oder Antiepileptika gehören.”

Wer sich über neue Produkte und Dienstleistungen informieren möchte, ist auf der Diabetes Messe 2010 richtig. 6.000 Betroffene und Gesundheitsinteressierte werden zum Patiententag am 28. Februar in Münster erwartet.

In weiteren Vorträgen erfahren Betroffene von Ärzten, Unternehmen und Verbänden, wie sie Folgeerkrankungen eines Diabetes mellitus mildern. Dabei geht es auch um weniger bekannte Komplikationen, darunter Zahnfleischschwund. Außerdem zeigen mehr als 100 Aussteller auf 4.000 Quadratmetern ihre Produkte, darunter neue Antidiabetika. Noch größer als zuletzt fällt das “Forum Prävention” aus. Ärzte testen Sehkraft, Hörfähigkeit, Fußdruck sowie Cholesterin- und Blutzuckerwerte der Besucher. Angesprochen sind alle Altersgruppen: Demenz und Diabetes wird ebenso thematisiert wie Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, die ein spezielles Sportprogramm ausprobieren können.

Näheres unter www.diabetes-messe.com.

Schweinegrippe

Schweinegrippe: Chronisch Kranke müssen vorrangig geimpft werden

Angelaufene Impfaktion zeigt Mängel

Die angelaufene Impfaktion gegen die so genannte “Schweinegrippe” zeigt nach Auffassung des Deutschen Diabetiker Bundes deutlich auf, dass sich nicht alle Bundesländer gleich gut darauf vorbereitet haben. Der explosionsartige Ausbreitung der Infektion in den letzten Tagen macht dies sehr deutlich. Durch eine teilweise zu geringe Vorhaltung des Impfstoffes ist die geplante vorrangige Versorgung von chronisch kranken Mitbürgern, und damit auch von Diabetikern, nicht sichergestellt. Trotz der wochenlangen Diskussionen über den möglichen Verlauf der Pandemie haben sich nicht alle Bundesländer ausreichend mit Impfstoff eingedeckt. Der Vorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Dieter Möhler, fordert deshalb nachdrücklich dazu auf, eine schnelle und ausreichende Verfügbarkeit des Impfstoffs zu gewährleisten. “Der Staat muss seiner Fürsorgeverpflichtung gegenüber den chronisch Kranken gerecht werden”, so Dieter Möhler.

In diesem Zusammenhang will der DDB ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, dass sich Diabetiker vor dieser Krankheit schützen. Der Deutsche Diabetiker Bund empfiehlt deshalb allen Diabetikern, sich wegen der Notwendigkeit einer Impfung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Insbesondere an Diabetes erkrankte Kinder sowie ältere Menschen gelten als besonders gefährdet.

DDG-DAG-Kongress Berlin 2009

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Prof. Dr. Christoph Rosak

Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes

“Mehr als 80% der Menschen mit einem Typ 2 Diabetes sind übergewichtig”. Deshalb beschäftigt sich der DDG-DAG-Kongress in Berlin mit der Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes. Interview von Susan Röse mit dem Kongresspräsidenten Herrn Prof. Dr. Rosak

Herr Prof. Dr. Rosak können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Christoph Rosak. Ich bin derzeitig Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Endokrinologie/Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt. Meine internistische und endokrinologisch/diabetologische Ausbildung habe ich am Zentrum für Innere Medizin des Universtitätsklinikums Frankfurt bei Prof. Dr. Karl Schöffling erhalten. 2 Jahre Post-Doctoral-Fellowship an der University of Massachuesetts in den Vereinigten Staaten. Seit 1987 Chefarzt am Krankenhaus Sachsenhausen.

Sie sagen, dass für beide Erkrankungen die nicht pharmakologischen Maßnahmen mit Ernährungsmodifikation und Bewegungstherapie Grundlage einer jeden Behandlung sind, welche neuen Erkenntnisse gibt es auf dem Gebiet der Ernährung und der Bewegungstherapie, sollten beide nicht absolute Priorität in der Behandlung beider Krankheitsbilder haben?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre ist der Zusammenhang von Zunahme der Fettgewebsmasse und sekretorischer Aktivität des Fettgewebes. Bei zunehmendem Körpergewicht werden “entzündungsfördernde Substanzen” wie TNF-a und Interleukin-6 gebildet, die in Kombination mit verminderter Adiponektin-Sekretion die Basis zu früher und verstärkter Atherogenese an den Gefäßwänden bilden. Diese Vulnerabilität wird durch Dislipidämie (Erhöhung der freien Fettsäuren), erhöhte Tromboseneigung (verstärkte Bildung von PAI-1) und verstärkte Angiotensinogenbildung, welche Hypertonie induziert, verstärkt. Zusammen führen diese Phänomene zu verstärkter und verfrühter Makro- und Mikroangiopathie.

Sie sagen, dass bei den pharmakologischen Strategien nicht nur neue Therapieansätze diskutiert werden, sondern deren Umsetzung und Anwendung, wie soll man sich das genau vorstellen, welches sind Ihrer Meinung nach die besten Ansätze für die Zukunft?

Die Anwendung der derzeitigen Pharmaka und von Insulin muss sich vor dem Hintergrund der ACCORD-Studie neu definieren:

  1. Voraussetzung ist eine Zielwertdefinition des HbA1c-Wertes für den individuellen Patienten.
  2. Vermeidung von Hypoglykämien
  3. Vermeidung von Gewichtszunahme

Dies wird sich nur dann realisieren lassen, wenn man den repetitiv geschulten Patienten wieder in den Mittelpunkt stellt, auf lang wirksame Sulfonylharnstoffe weitgehend verzichtet. Eine Option könnten die DPP-4-Inhibitoren und Inkretin-Mimetika sein. Patienten, die unter Humaninsulin unter Hypoglykämien leiden, sollten auf Insulinanaloga umstellt werden.

Sollte nicht die Prävention, die Früherkennung und die gesellschaftspolitische Verantwortung (frühe Aufklärung und Information, stärkerer
Verbraucherschutz), dieser beiden Krankheitsbilder stärker in den Vordergrund gerückt werden?

Die Antiraucherkampagne hat gezeigt, dass es möglich ist, einen gesellschaftlichen Trend umzukehren. Im Hinblick auf den Diabetes brauchen wir eine ähnliche multimediale Anstrengung, um die derzeitige negative Ernährungsweise in einen positiven Trend umzukehren. Dies erfordert Aufklärung und Kampagnen in den Massenmedien, bessere Kennzeichnung der Lebensmittel und Zugang zu Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen im Sinne präventiver Aufklärung und Schulung. Diese Maßnahmen sind auch bei Patienten erforderlich, die bereits medikamentös ihren Diabetes behandeln müssen.

Welche Neuheiten gibt es im Bereich der Diabetologie?

Die Erforschung der Inkretine und ihrer Stoffwechselwirkungen hat zur Entwicklung der Inkretin-Mimetika (Exenatide und Liraglutide) und der DPP-4-Inhibitoren (Sitagliptin, Vildagliptin, und Saxagliptin) geführt. DPP-4-Inhibitoren führen über die Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 zu dem verzögerten Abbau des Hormons GLP-1 und somit zu einer Erhöhung seiner Konzentration um das 2-3 fache.

Die DPP-4-Inhibitoren zeichnen sich durch eine blutzuckerdefinierte Verstärkung der Insulinsekretion bei gleichzeitiger Senkung der erhöhten Glukagonspiegel unter Vermeidung von Hypoglykämien aus. Dadurch werden Nüchternblutzucker und postprandialer Blutzucker gesenkt. Die Verzögerung der Magenentleerung bedingt eine verlängerte und verminderte Kohlenhydratanflutung nach den Mahlzeiten. Als zentraler Angriffspunkt wird das Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit eher aktiviert. Die Inkretin-Mimetika führen darüber hinaus zu einer deutlichen Gewichtsreduktion, im Mittel um 4-6 kg.

Herr Prof. Dr. Rosak wie sieht die Zukunft in der Diabetologie aus (auch in Zusammenhang mit Adipositas)?

Auf die Verstärkung der präventiven und nicht-pharmakologischen Maßnahmen wurde bereits hingewiesen. An den entstehenden Kosten müssen sich die Kostenträger entsprechend beteiligen. Pharmakotherapeutisch wird man um die Ablösung bzw. um den Einsatz der lang wirkenden Sulfonylharnstoffe nicht herumkommen, die sich durch Gewichtszunahme und eine hohe Hypoglykämierate auszeichnen. Die glukozentrische Sicht der Diabeteserkrankung wird abgelöst durch einen komplexeren Ansatz mit Behandlung der Glukose- und Fettstoffwechselstörung sowie des Hypertonus und der Adipositas.

Herr Prof. Dr. Rosak, danke für das Interview

Pressekontakt
Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

100 Tage Gesundheitsfonds

2/3 der Bundesbürger wissen nicht Bescheid

Ein Großteil der Deutschen weiß auch 100 Tage nach Einführung des Gesundheitsfonds nicht, was es damit auf sich hat. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der BIG – Die Direktrankenkasse. Befragt wurden 1000 Personen ab 18 Jahren.

65% der Befragten gaben an, sie wüssten nicht, was der Gesundheitsfonds ist. Davon mehr als 80% junge Menschen unter 30 Jahren. Lediglich 8% derjenigen, die wissen, was der Fonds ist, glauben, dass er dazu beitragen kann, die Finanzprobleme des Gesundheitssystems zu lösen. 90% bezweifeln das.

Insgesamt 60% der gesetzlich Versicherten konnten die Frage nach dem aktuellen Beitragssatz ihrer Kasse nicht beantworten: 39% gaben an, dass sie derzeit für ihre Krankenversicherung den Einheitsbeitragssatz von 15,5% zahlen. 22% machten andere Prozentangaben und 38% konnten keine Angabe machen. Besonders schlecht informiert zeigten sich hier wiederum die jüngeren Befragten.

Ein Großteil der Befragten (76%) haben nach dem Wegfall der Beitragssatzunterschiede keine Veränderung beim Service ihrer Kasse wahrgenommen. 12% meinen, dass sich seitdem das Leistungsangebot sogar verschlechtert habe. Immerhin glauben 60%, dass ihre Kasse trotz höherer Beitragszahlung durch den Versicherten nicht mehr Geld zur Verfügung hat.

Diabetiker verunsichert

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Prof. Dr. Haak

Diabetiker unnötig verunsichert – Warum Todesfälle in einer US-Studie kein Grund sind, hohe Blutzuckerwerte zu akzeptieren

In den USA musste eine Studie mit Diabetikern (Langzeitergebnisse der Studien UKPD, ACCORD, ADVANCE) abgebrochen werden, weil unter den besonders intensiv behandelten Patienten unerwartet viele Todesfälle auftraten. Der wahrscheinliche Grund: Der Blutzuckerspiegel wurde zu rabiat gesenkt. Deshalb nennt Professor Dr. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, die gelegentlich zu hörende Schlussfolgerung, höhere Blutzuckerwerte zu akzeptieren, “groben Unsinn”.

Die amerikanischen Kollegen hätten in einer Gruppe Langzeitwerte unter sechs Prozent angestrebt und dabei bis zu 5 Medikamente verabreicht. Bei diesen Patienten seien die Todesfälle aufgetreten. “Dieses Vorgehen entspricht nicht unserer täglich angewandten Therapie”, betont Haak in der “Apotheken Umschau”. Das Ziel sei vielmehr, den Langzeitwert unter 6,5 bis 7 Prozent zu bringen, ohne dabei Risiken wie unsichere Arzneikombinationen in Kauf zu nehmen. Die deutliche Senkung des Blutzuckers bleibe aber unverzichtbar, um dem Diabetiker Spätschäden möglichst zu ersparen. Besonders wichtig sei es, Unterzuckerungen zu vermeiden.

Professor Dr. Thomas Haak setzt nach Möglichkeit nur “ein einzelnes Medikament oder eine Zweierkombination” ein. “Außerdem haben wir aus den Studien gelernt, dass wir nicht um jeden Preis bestimmte Therapieziele anstreben sollten”, so Haak. “Die maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Patienten ist das Gebot der Stunde.”

Neue Ergebnisse von ADVANCE

ADVANCE bietet neue Erkenntnisse im Kampf gegen schwere Diabetes-Komplikationen

Die neuen Ergebnisse von ADVANCE (Action in Diabetes and Vascular Disease: Preterax and Diamicron MR Controlled Evaluation), der weltweit größten klinischen Studie, an der Patienten mit Diabetes vom Typ 2 teilnahmen, führen zu wichtigen Erkenntnissen im Bezug auf Therapiemöglichkeiten mit einer effizienten und sicheren Kontrolle des Blutzuckers, um ernsthafte Komplikationen des Diabetes reduzieren zu können.(1) Die neuen Daten von ADVANCE, die auf dem IDF-Kongress (International Diabetes Federation) bekannt wurden, zeigen, dass die Wirksamkeit und Sicherheit der intensiven Kontrolle des Blutzuckers mit der Gliclazid MR (Modified Release) (Diamicron MR)-basierenden Behandlung bei unterschiedlichen Patienten unter verschiedenen klinischen Bedingungen weiterhin gegeben ist.(1) ADVANCE zeigte, dass die intensive Kontrolle des Blutzuckers mit einer auf Gliclazide MR basierenden Behandlung von Typ-2-Diabetikern das kombinierte Risiko von makrovaskulären und mikrovaskulären Komplikationen reduziert. Diese Reduktion erfolgte primär aufgrund einer Verkleinerung des Nephropathie-Risikos.(2)

Sophia Zoungas, ADVANCE Study Investigator, vom George Institute for International Health, Australien: “Die intensive Kontrolle des Blutzuckers einer auf Gliclazide MR basierenden Behandlung senkte den HbA1C, unabhängig vom Alter, der Dauer des Diabetes, des Geschlechts, des Body-Mass-Index oder des HbA1C bei Beginn der Studie sowie der anfänglichen Behandlungmethoden zur Blutzuckersenkung. Die auf Gliclazid MR basierende Behandlung zeigte eine gute Verträglichkeit mit nur wenigen schweren Hypoglykämien und keiner Gewichtszunahme.”

ADVANCE zeigte einen positiven Trend bei der Reduzierung schwerer kardiovaskulärer Komplikationen bei Patienten, die mit einer intensiven Blutzuckerkontrolle behandelt wurden.(2) Das Ergebnis wurde in einer kürzlich durchgeführten gemeinsamen Metaanalyse mit 4 Versuchen bezüglich der intensiven Blutzuckersenkung bestätigt, einschließlich ADVANCE und ACCORD, die eine signifikante Reduzierung der kardiovaskulären Komplikationen um 9% und primär eine Reduzierung der Herzinfarkte um 15% zeigten.(3) Basierend auf Beobachtungsdaten haben mehrere nationale Register (die mehr als 70.000 Typ-2-Diabetiker umfassen) kürzlich berichtet, dass Behandlungsmethoden für die Blutzuckersenkung, die Gliclazid umfassen, im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden mit einem niedrigeren Sterberisiko assoziiert werden.(4)(5)

Professor John Chalmers, ADVANCE Principal Investigator des George Institute for International Health, Australien: “ADVANCE ist ein riesiger Pool wertvoller klinischer Informationen. Aus diesem Grund planen wir fortlaufende Nachuntersuchungen der ADVANCE-Patienten und sind davon überzeugt, dass die neue Studie ADVANCE-ON(6) weltweit eine entscheidende Rolle in der künftigen klinischen Behandlung von vielen Millionen von Typ-2-Diabetikern spielen wird.”

Zusätzliche neue Daten

Auf dem IDF-Kongress boten die ADVANCE-Untersuchungssachverständigen außerdem wichtige Einblicke in die Indikatoren, die das kardiovaskuläre Risiko in dieser Bevölkerungsgruppe vorhersagen.(7) Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose, die bekannte Dauer des Diabetes, Geschlecht, Puls, behandelter Bluthochdruck, Herzflimmern, Retinopathie, HBA1C, Albumin/Kreatinin-Quotient und Nicht-HDL-Cholesterinspiegel an der Basislinie wurden als signifikanate Prädiktoren von kardiovaskulären Komplikationen beobachtet. Von den ADVANCE-Untersuchungssachverständigen wurde unter Einbeziehung dieser Variablen ein neues Tool für die Risikovorhersage entwickelt, das den Weg für ein neues “Risikomodul” (risk engine) ebnet und möglicherweise für heutige Patientengruppen relevanter ist als ältere Risikovorhersagetools, beispielsweise die Framingham- und UKPDS-Modelle (United Kingdom Prospective Diabetes Study).(7)

Infos zu ADVANCE

ADVANCE wurde entwickelt, geleitet, überwacht, analysiert und wiedergegeben von einer kollaborativen Forschungsgruppe, die nach einem vollständigen Peer-Review vom National Health and Medical Research Council der australischen Regierung unterstützt wurde. Die Studie wurde unabhängig vom Industriesponsor durchgeführt, und das Managment Committee, zu dessen Mitgliedern keine Industrievertreter gehörten, hatte die endgültige Verantwortung für den Bericht der Ergebnisse.

Im ersten Teil von ADVANCE wurden die Auswirkungen auf das Resultat untersucht, die eine intensive Blutdrucksenkung mittels einer Kombination von Perindopril und Indapamid hat. Die Ergebnisse wurden 2007 veröffentlicht. Referenz: ADVANCE Collaborative Group; Patel A, MacMahon S, Chalmers J, Neal B, et al. Effects of a fixed combination of perindopril and indapamide on macrovascular and microvascular outcomes in patients with type 2 diabetes mellitus (the ADVANCE trial): a randomised controlled trial. Lancet. 2007;370:829-840.

Im zweiten Teil von ADVANCE wurden die Auswirkungen der intensiven Blutzuckerkontrolle mit einer auf Gliclazid MR basierenden Behandlungsmethode untersucht. Die Hauptergebnisse wurden 2008 veröffentlicht. Diese Ergebnisse zeigten, dass die intensive Kontrolle den kombinierten makro- und mirkovaskulären Endpunkt (18,1% versus 20,0%; Gefahrenverhältnis (HR) 0,90; 95% Konfidenzintervall 0,82 bis 0,98; P=0,013) reduziert. Schwerwiegende mikrovaskuläre Probleme wurden reduziert (9,4% versus 10,9%; HR 0,86 [0,77 bis 0,97]; P=0,014), primär aufgrund einer Reduzierung der Nephropathie (4,1% versus 5,2%; HR 0,79 [0,66 bis 0,93], P=0,006), ohne signifikante Retinopathie (P›0,1). Referenz: ADVANCE Collaborative Group; Patel A, MacMahon S, Chalmers J et al. Intensive blood glucose control and vascular outcomes in patients with type 2 diabetes. NEJM 2008; 358: 2560-2572

Das George Institute for International Health ist eine international anerkannte Forschungseinrichtung, die High-Impact-Forschungen zu den verschiedensten Gesundheitsthemen durchführt. Das Institut ist führend in den Bereichen klinische Studien, Gesundheitspolitik und Kapazitätsaufbau. Das Institut verfügt über ein globales Netzwerk von Spitzenmedizinern in verschiedenen Forschungsgebieten und mit einschlägiger Expertise in Forschungsmethodik, Projektmanagement sowie statistischer und Datenanalyse. Als angesehene Stimme unter den politischen Entscheidungsträgern der Welt wird das Institut von Regierungen, philanthropischen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen finanziell unterstützt. Über die Forschungsarbeit des George Institute wird regelmäßig in den höchstrangigen internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschriften berichtet. Der National Health & Medical Research Council of Australia ist das Spitzengremium der australischen Regierung in Sachen Gesundheit und medizinische Forschung. Es bietet Gesundheitsberatung für Kommunen, Mediziner und Regierungsbehörden in Australien und berät im Hinblick auf Fragen des ethischen Verhaltens im Gesundheitswesen und in der Durchführung der Gesundheits- und medizinischen Forschung. Der für die Forschungsfinanzierung zuständige Zweig des französischen Pharmazieunternehmens Servier ist das Institut de Recherche International Servier.

www.advance-trial.com

Referenzen

  • Chalmers J, Zoungas S, Ninomiya T, u.a. Neue Ergebnisse von ADVANCE. IDF-Kongress, Vortragseinladungen, 22. Oktober 2009. Montreal, Kanada.
  • ADVANCE Collaborative Group. Intensive blood glucose control and vascular outcomes in patients with type 2 diabetes. N Engl J Med. 2008; 358:2560-2572.
  • Turnbull F, Abraira C Anderson R Byington R Chalmers J et al. Intensive glucose control,and macrovascular outcomes in type 2 diabetes. Diabetologia, ePub Vorabdruck, 5. August 2009
  • Schramm TK. Eur Heart J. 2009;30(suppl):304. Abstract ESC Kongress 2009
  • Khalangot M et al, Diabetes Res Clin Pract. 29. Sep. 2009 [Epub Vorabdruck]
  • Zoungas S, Patel A, Neal B, et al ADVANCE-ON: a post-trial observational study. Oral presentation, IDF Kongress, 21. Oktober 2009, Montreal, Kanada
  • Kengne AP, Patel A, Colagiuri S, u.a. Derivation of the ADVANCE models for predicting the risk of major cardiovascular disease in people with diabetes. Oral presentation, IDF Kongress, 20. Oktober 2009, Montreal, Kanada

Langwirksame Analoginsuline

Insulin bitt‘ schön erst, wenn der Notarzt da war

Diabetologen kritisieren Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses

Der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) kritisiert einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), nach dem langwirksame Analoginsuline Typ-2-Diabetikern in Deutschland nicht länger verordnet werden sollen. Der G-BA, der festlegt, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, hatte erklärt, dass nur eines der beiden langwirksamen Analoginsuline, die seit 2000 auf dem Markt sind, einen erhöhten Nutzen habe – und das auch nur dann, wenn bereits schwere Unterzuckerungen vorgelegen hätten, bei denen Fremdhilfe wie ein Notarzteinsatz erforderlich gewesen sei.

“Wenn also beispielsweise wir als niedergelassene Diabetologen in Zukunft diese Insuline verordnen wollen, müssen wir erst warten, bis der Notarzt eine gefährliche Unterzuckerung versorgt hat”, bemängelt Dr. Matthias Riedel vom BdSN. Der eigentliche Grund für die Entscheidung des G-BA sei in erster Linie, dass die Krankenkassen ihre selbstgeschaffenen Kosten – es gibt immer noch keinen Festbetrag für Insulin – nicht mehr in den Griff bekämen.

Langwirksame Analoginsuline werden über eine längere Zeit hinweg vom Körper aufgenommen als Normalinsuline, die maximal sechs Stunden wirken. Vorteil dieser Präparate ist, dass sie den Grundbedarf an Insulin decken, besonders nachts. Dem aktuellen G-BA-Beschluss zufolge bieten die 30 Prozent teureren Insuline keine Vorteile für die Patienten, solange sie teurer seien als gewöhnliche Präparate. Diese Begründung sei, wie schon bei den kurzwirksamen Insulinanaloga, wissenschaftlich sehr umstritten und verlöre sicher sofort wieder an Relevanz, sobald Preisnachlässe für die Insuline mit den Krankenkassen vereinbart seien, kritisiert Dr. Riedel.

Im Jahr 2006 hatte der G-BA kurzwirksame Insulinanaloga vorübergehend für nicht verordnungsfähig erklärt – bis spezielle Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern geschlossen worden waren. Dr. Riedel sieht deutliche Parallelen zum aktuellen Fall und beanstandet das Vorgehen der Entscheidungsträger: “Für die Patienten und die betreuenden Ärzte ist es eine Zumutung, unsichere Prozeduren wie Medikamenten-Umstellungen akzeptieren zu müssen bis sich Krankenkassen und Hersteller geeinigt haben.”

Der BdSN ruft daher Krankenkassen, Pharmahersteller und auch die Politik dazu auf, schnell eine Einigung zu erarbeiten, damit die Versorgung der Diabetespatienten nicht unnötig belastet wird.

Information: Der Gemeinsame Bundesausschuss

Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Der Ausschuss entscheidet unter anderem über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung für über 70 Millionen Versicherte und legt somit fest, welche Leistungen für Kassenpatienten erstattet werden.

Hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Studien-Zwischenergebnis zur Kombinationstherapie Insulin plus Pioglitazon

Kombinierte Therapie hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Berlin – Eine Ursache des Diabetes Typ 2 besteht in der Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber der biologische Wirkung von Insulin. Ist diese Insulinresistenz ausgeprägt, wirkt auch das zugeführte Insulin im Rahmen einer Diabetes-Therapie nicht effektiv genug. Sogenannte Insulin-Sensitizer erhöhen die Insulin-Empflindlichkeit wieder. Seit 2007 ist in Deutschland eine kombinierte Therapie des Wirkstoffes Pioglitazon mit Insulin zugelassen. Die kürzlich veröffentlichte Zwischenauswertung einer laufenden Studie zeigt, dass diese Kombination effektiv und sicher ist.

Ärzte können die Kombination aus Insulin plus Insulin-Sensitizer Pioglitazon bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und einer ausgeprägten Insulinresistenz einsetzen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei ihnen die Standard-Kombination Insulin und Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht möglich ist. Diesen Patienten gelingt es trotz sehr hoher Insulindosen nicht, den Blutzucker langfristig zu normalisieren.

An der laufenden Studie beteiligen sich mehr als 4000 Patienten, die mit der Kombination Insulin und Pioglitazon behandelt werden. Die Befunde wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben. Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 2086 Patienten aus 408 diabetologischen Studienzentren zeigt positive Ergebnisse: “Die Blutzuckerwerte sanken um nahezu einen Prozentpunkt von 8,22 auf 7,26 Prozent”, erläutert Erstautor Privatdozent Dr. med. Rainer Lundershausen, Erfurt. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE empfehlen 6,5 Prozent als Ziel in der Diabetestherapie. Gleichzeitig benötigten die Patienten 22 Prozent weniger Insulin. Eine weitere günstige Begleiterscheinung der Behandlung waren bessere Blutdruck- und Blutfett-Werte der Studienteilnehmer. Die Therapie war mehrheitlich gewichtsneutral: Einige stark Übergewichtige nahmen deutlich ab, während einige andere Patienten an Gewicht zulegten.

Die meisten Patienten vertrugen die Kombination der beiden Medikamente gut. Bei jedem siebten Patienten kam es zu Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Ödeme bildeten sich aber unter der Therapie mit einem harntreibenden Mittel zurück. Kein Patient musste die Therapie deshalb abbrechen. Andere, bereits bekannte Komplikationen von Pioglitazon, wurden nicht beobachtet. Insbesondere können neben Wassereinlagerungen auch Herzschwäche oder erhöhte Anzahl von Knochenbrüchen bei Frauen auftreten.

Erhalten Patienten die Kombinationstherapie zum ersten Mal, sollte der Arzt die Insulindosis individuell reduzieren, um Unterzuckerungen vorzubeugen. diabetesDE und die DDG empfehlen, diese Patienten in den ersten Wochen intensiv zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Auftreten von Herzinsuffizienzsymptomen. “Die Auswertungen zeigen, dass Pioglitazon in Kombination mit Insulin schneller zur Wirkung kommt als in der Pioglitazon-Monotherapie”, betont Diabetologe Lundershausen. Entscheidend für einen unproblematischen Einstieg in diese Therapieform sei deshalb die kontinuierliche Anpassung der Insulindosis.

Zugelassene Insulin-Sensitizer sind in Deutschland Rosiglitazon und Pioglitazon. Sie erhöhen unter anderem die Insulinempfindlichkeit von Leberzellen, Muskulatur und Fettgewebe: Die Zellen nehmen dadurch mehr Zucker auf. Die Leber hingegen schränkt ihre Glukoseproduktion ein. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel sowohl nüchtern als auch nach Mahlzeiten.

Technologie zur Wundbehandlung

Diabetes mellitus – eine Massenerkrankung

Alle 2 Sekunden entwickelt ein Mensch Diabetes. Alle 10 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Alle 30 Sekunden wird eine Amputation an den unteren Gliedmaßen als Folge von Diabetes vorgenommen. Diabetes mellitus ist zu einer weltweit verbreiteten Massenerkrankung geworden. Laut der “International Diabetes Federation” sind aktuell 246 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Anzahl der Diabetes-Kranken bis zum Jahr 2025 auf 380 Millionen steigen wird.

2007 zählte Deutschland als einziges EU-Land zur Gruppe der 5 Länder mit den meisten Diabetikern. Angeführt wird diese Liste von Indien mit 40,9 Millionen Diabetikern, gefolgt von China mit 39,8 Millionen, die Vereinigten Staaten mit 19,2 Millionen, Russland mit 9,6 Millionen und Deutschland mit 7,4 Millionen Diabetikern. Bezogen auf den Anteil der Diabetiker an der Bevölkerung nimmt Deutschland mit 9% (7,4 Millionen Diabetiker bei 82 Millionen Deutschen) die unrühmliche Spitzenposition aus der Gruppe dieser 5 Länder ein. Platz 2 in diesem Negativranking wird von Russland mit 6,8% eingenommen, dicht gefolgt von den USA mit 6,1%. Platz 4 belegt Indien mit 3,4% und Platz 5 belegt China mit 2,9%. Die Anzahl der Diabetiker wächst jährlich um 7 Millionen weiter – so die Aussage des “International Diabetes Federation”.

Typen und Ursachen von Diabetes mellitus

Man unterscheidet Diabetes Typ1, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes sowie andere spezifische Diabetes Typen. Während es sich beim Typ1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, findet man die Ursachen für den Typ 2 vor allem in der Fettleibigkeit von Menschen sowie in deren mangelnde Bewegung. Und: Mehr als 90% der Diabetiker sind Typ-2 Diabetiker.

Und die Folgen von Diabetes?

Der Tod von jährlich 3,8 Millionen Menschen wird den Folgen von Diabetes zugeordnet. Damit ist Diabetes die vierthäufigste Todesursache. Fast alle Typ-2-Diabetiker haben auch Bluthochdruck, welcher weitere Spätfolgen vor allem an den Augen, den Nieren und den großen Blutgefäßen nach sich ziehen kann. Beispielsweise Diabetische Retinopathie, eine Erkrankung der Netzhaut des Auges. Geschädigt werden kleine Blutgefäße, was zu einer Minderung der Sehschärfe sowie einer Einschränkung des Gesichtsfeldes führt und bis zur Erblindung führen kann. In Europa und Nordamerika ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren.

Weitere Folgeerkrankungen sind bspw. Neuropathie (Erkrankungen des peripheren Nervensystems), Herzinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Apoplex (plötzliche Durchblutungsstörungen), Niereninsuffizienz oder auch Amputationen. 70 Prozent der Amputationen in Deutschland betreffen Diabetiker. In Zahlen heißt das 40.000 Amputationen an Diabetikern in Deutschland jährlich.

Und die Behandlungsmöglichkeiten?

Bei Typ-2 Diabetikern wird vor allem eine Gewichtsabnahme sowie vermehrte Bewegung als Therapie angeraten. Doch wenn nun bereits die Amputation oder Erblindung droht? Einige Unternehmen haben sich auf die Behandlung solcher Patientengruppen spezialisiert:

Tissue Therapies

Das an der ASX in Sydney gelistete Unternehmen Tissue Therapies hat sich auf Wundbehandlungen spezialisiert. Auf Wunden, die schlecht oder gar nicht heilen. Wie bei vielen Diabetikern. Die zugrundeliegende VitroGro®-Technologie befindet sich derzeit in klinischen Tests, u.a. in Toronto, Kanada.

Aktuell findet eine Studie in Toronto zur Behandlung von Diabetes- und Venen-Geschwüren statt. Zwischenergebnisse des 1. in dieser kanadischen Studie (10 Patienten) behandelten Patienten zeigten eine 29%ige Reduktion des Diabetes-Geschwürs innerhalb von 6 Wochen, nachdem konventionelle Behandlungsmethoden über einen Behandlungszeitraum von über 2 Jahre nicht anschlugen. Das Unternehmen Thissue Therapies wertet dieses Resultat als sehr bemerkenswert, denn bei diesem Patienten (Raucher, Langzeitdiabetiker, Bluthochdruck, zahlreiche Diabetes-Geschwüre) war bereits eine Amputation aufgrund eines Diabetes-Geschwürs vorgenommen worden und es war vor dem Behandlungsbeginn erwogen worden, den Fuß aufgrund der anhaltenden Schmerzen, sozialen Isolation sowie der reduzierten Mobilität zu amputieren. Bei einem weiteren 60-jährigen Diabetiker (auch Dialyse-Patient), welchem bereits untere Gliedmaßen als Folge von Diabetes amputiert worden waren, reduzierte sich das Fußgeschwür um 32% innerhalb von 6 Wochen.

pSivida Ltd.

pSivida Ltd, ein gelistetes australisch-amerikanisches Unternehmen, ist spezialisiert auf “Trägersysteme” für Medikamente, welche nur langsam und über einen längeren/langen Zeitraum an den Körper abgegeben werden sollen. Das Produkt IluvienTM wurde zur Behandlung von diabetischem Makulaödem entwickelt. Ein diabetisches Makulaödem ist bei Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, die häufigste Ursache für eine Verschlechterung der Sehschärfe. Iluvien wird in den hinteren Teil des Auges mit einer Nadel injiziert und kann dann über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren entsprechende Medikamente im Auge freisetzen.