Kategorie-Archiv: 2009

Schwangerschaftsdiabetes

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Wiederkehren des Diabetes nach einem Schwangerschaftsdiabetes verhindern

Diabetes-Präventionsstudie PINGUIN bis Ende 2010; Teilnahmemöglichkeit für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, bei dem Insulin gespritzt werden musste, verlängert

Das Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München verlängert die Möglichkeit bis zum Jahresende 2010, an der Diabetes-Präventionsstudie PINGUIN (Postpartale Intervention bei Gestationsdiabetikerinnen unter Insulintherapie) teilzunehmen! Das angestrebte Ziel besteht darin, mit Ernährungsberatung, Lebensstilintervention und dem Medikament Vildagliptin ein Wiederkehren des Diabetes nach einem Schwangerschaftsdiabetes zu verhindern oder zu verzögern. Vildagliptin ist bereits für die Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen und zeigt eine gute Wirksamkeit.

Die PINGUIN-Studie läuft seit Beginn des Jahres 2008. Bei den Teilnehmerinnen handelt es sich um eine Hochrisikogruppe von Frauen mit Gestationsdiabetes, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten. Vorausgegangene Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von zehn Jahren einen Diabetes entwickelt (Löbner et al., Diabetes 55:792, 2006). Bei Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten, um den Zuckerhaushalt im Normbereich zu halten, steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, innerhalb von 3 Jahren nach der Entbindung sogar auf 61% an.

Die ersten Teilnehmerinnen machen seit 18 Monaten bei der PINGUIN-Studie mit und vertragen das Studienmedikament Vildagliptin gut. Es gibt keine auffälligen Nebenwirkungen und noch keine Probandin hat einen Diabetes entwickelt.

Wie wichtig eine Intervention bei diesen Frauen ist, zeigt die Tatsache, dass drei Viertel der an der Studie teilnehmenden Frauen übergewichtig sind und einige sogar adipös. Bei Studienbeginn hatten viele bereits eine gestörte Glukosetoleranz. Eine Diabeteserkrankung bei nahen Verwandten ist sehr häufig. Eine weitere Zwischenauswertung bestätigt, dass etwa die Hälfte der Probandinnen keinerlei sportlicher Betätigung nachgeht und beim Aktivitätsmonitoring mit dem Schrittzähler unter der geforderten Minimalanforderung von 8000 Schritten pro Tag bleibt.

Diese ersten Ergebnisse zeigen im Rahmen der PINGUIN-Studie die Wichtigkeit einer Lebensstiländerung und Intervention. Faktoren wie Inaktivität und Übergewicht erhöhen das Risiko eines Typ-2-Diabetes oder eines erneuten Diabetes in einer folgenden Schwangerschaft. Das möchte das Institut für Diabetesforschung verhindern.

Teilnehmen können Frauen, die

  • während ihrer letzten Schwangerschaft einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatten
  • bis zum Studieneintritt abgestillt haben (Studieneintritt: frühestens ab Entbindung, spätestens neun Monate nach Entbindung)
  • mindestens 18 Jahre alt sind

Bei Interesse und für ausführliche Informationen wenden Sie sich bitte an

PINGUIN-Team
Forschergruppe Diabetes
Leitung: Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1
80804 München
Tel: 089 30682917
Fax: 089 30687509

Infos und Anmeldung (PDF 179KB)

Neue Leitlinie

Neue Patientenleitlinie zu Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin www.azq.de hat am 20. Januar 2009 die Konsultationsfassung der Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie “Typ-2-Diabetes: Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen” online gestellt. Die Leitlinie steht seitdem bis zum 20. Februar 2009 zur öffentlichen Kommentierung bereit.

Grundlage der Broschüre sind die wissenschaftlich begründeten Empfehlungen aus der ärztlichen Leitlinie und die Erfahrung der beteiligten Patientenvertreter im Umgang mit der Erkrankung. So enthält die Patientenleitlinie nicht nur eine laienverständliche Übersetzung der Empfehlungen aus der Leitlinie. Viele praktische Hinweise sollen das Arzt-Patienten-Gespräch unterstützen und Betroffenen dabei helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und einer Verschlechterung nach Möglichkeit vorzubeugen. Die Autoren der Patientenleitlinie sind Vertreter des Deutschen Diabetiker Bundes e. V., der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V.. Die Redaktion und Koordination lag in den Händen des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin.

Die Patientenleitlinie zur NVL “Typ-2-Diabetes – Prävention und Behandlungsstrategien für Netzhautkomplikationen” ist unter der Adresse: www.versorgungsleitlinien.de frei zugänglich. Wir laden alle am Thema interessierten Personen aus Fachkreisen und der Selbsthilfe sowie interessierte Laien dazu ein, das Angebot der Kommentierung während der öffentlichen Konsultationsphase wahrzunehmen.

Von Interesse sind dabei Fragen wie

  • Sind in der Patientenleitlinie alle für Patienten wichtigen Aspekte berücksichtigt?
  • Ist die Patientenleitlinie verständlich?
  • Gibt es Änderungs- oder Ergänzungsvorschläge?

Für Meinungen und Anregungen kann ein elektronisches Rückmeldeformular verwendet werden: www.versorgungsleitlinien.de. Es ist aber auch möglich, alle Kommentare und Anregungen unter dem Betreff “PL Netzhautkomplikationen” per E-Mail an die Adresse nvl@azq.de zu senden.

Patienten-Leitlinien sind Teil des Programms für Nationale Versorgungsleitlinien www.versorgungsleitlinien.de. Dieses Programm steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Organisationen zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte ärztliche Versorgung darzustellen.

Glukosekontrolle wichtiger denn je

Der Körper vergisst keine Überzuckerung

Gute Glukosekontrolle wichtiger denn je

LifeScan-Symposium im Rahmen der 44. Jahrestagung der DDG: Wie kann bei gestörter Glukosetoleranz die Manifestation eines Typ-2-Diabetes möglichst lange hinausgezögert werden? Wie muss ein modernes Glukosemonitoring gestaltet sein, damit diabetes­bedingte Folgeerkrankungen, die den Hauptkostenfaktor im Indikationsgebiet Diabetes ausmachen, weitgehend verhindert werden können? Mit diese zentralen Fragen beschäftigte sich das LifeScan-Symposium “Glykämische Variabiltät & Metabolisches Gedächtnis – Von der Kontroverse zum Konsens”.

Anlässlich der diesjährigen Jahrestagung der DDG in Leipzig haben namhafte Experten am 20. Mai 2009 zur Glukosekontrolle bei Diabetes mellitus diskutiert. Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Sachsen mit drei Fortbildungspunkten zertifiziert und war damit bundesweit zur Zertifizierung anerkannt. In seiner Begrüßung brachte der Vorsitzende des Symposiums, Professor Stephan Matthaei, Chefarzt des Diabetes-Zentrums Quakenbrück, die wesentliche Botschaft der großen klinischen Studien zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes aus 2008 auf den Punkt: Eine nahe-normo­glykämische Blutzuckereinstellung unter Vermeidung von Nebenwirkungen, insbesondere schwerer Hypoglykämien und ausgeprägter Gewichtszunahme, sollte angestrebt werden. Eine sichere HbA1c-Zielwerterreichung ist damit wichtiger Bestandteil einer multifaktoriellen, zielwertorientierten Therapie des Typ-2-Diabetes, um diabetische Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Einführend betonte Professor Manfred Dreyer, Diabetologe und Leiter des Zentrums für Innere Medizin im Asklepios Westklinikum Hamburg, dass der HbA1c als Parameter international akzeptiert und etabliert sei und bleibe. “Allerdings können die beobachteten diabetischen Folgekomplikationen nur teilweise mit den Abweichungen vom HbA1c-Zielwert erklärt werden – neben genetischen Faktoren könnten daher weitere pathophysiologische Schädigungsmechanismen, wie eine erhöhte Variabilität der Blutglukose, zukünftig von Bedeutung sein. Insbesondere wird die Prävention von Hypoglykämien eine eigenständige, besondere und noch wichtigere Rolle spielen.”

Dysglykämische Effekte auf zellulärer Ebene

Dr. Michael Morcos, Diabetologe an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg, vertiefte den Aspekt, dass die Güte der Stoffwechseleinstellung zu Beginn der Diagnose auch noch viele Jahre später das Risiko für das Auftreten diabetischer Folgeerkrankungen signifikant beeinflusst. Dieser Mechanismus wird als “Legacy Effect” bzw. “Metabolic Memory” bezeichnet. Er basiert u. a. auf der Aktivierung zellulärer Abwehrsysteme, oxidativem Stress und der Bildung so genannter “Advanced Glycation End-Products” (AGEs). Von großer Bedeutung für anzustrebende Zielwerte in der Diabetestherapie ist hierbei, dass die durch Hyperglykämie induzierten Mechanismen gerade auch bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels zum Tragen kommen. Die glykämische Variabilität muss also als eigenständiger Risikofaktor für das Auftreten diabetesbedingter Komplikationen angesehen werden.

Diabetesprävention konkretisiert

Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, übertrug in seinem Vortrag die auf Zellebene gewonnenen Erkenntnisse von Morcos in Vorschläge für konkrete Präventionsmaßnahmen. “Die Diabetesprävalenz liegt schon heute bei acht Millionen diagnostizierten Typ-2-Diabetikern. Bis zum Jahr 2010 werden weitere 1,5 Millionen hinzu kommen. Dramatisch hierbei ist, dass über 50% der Typ-2-Diabetiker bereits mit mikrovaskulären und kardiovaskulären Folgeerkrankungen diagnostiziert werden.” Ein frühes, allgemeines Screening sei lohnenswert, da dann durch die Änderung des Lebensstils eine sehr erfolgreiche Diabetesprävention möglich wäre. Der glykämischen Variabilität, bei Prädiabetes insbesondere durch postprandiale Hyperglykämien, sollte auch nach Ansicht von Schwarz besonderes Augenmerk gelten.

Modernes Glukosemonitoring mit der Glukosetrias

Der Dresdner Professor Markolf Hanefeld, Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer der TU Dresden, führte die wesentlichen Erkenntnisse aus den Beiträgen seiner Vorredner für ein modernes Glukosemonitoring unter einem Begriff zusammen: Die Glukosetrias bestehend aus Nüchternblutzucker, postprandialer Glukose und glykämischer Variabiltät. “Diese drei Parameter sind entscheidend für eine effektive Glukosekontrolle und müssen im vereinbarten Zielkorridor gemanagt werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Messzeitpunkte des Patienten werden dabei je nach Art der Therapie und der persönlichen Lebenssituation festgelegt”, so Hanefeld.

Schließlich fasste der Vorsitzende Matthaei den Stufenplan der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes zusammen und betonte dabei die Bedeutung einer rechtzeitigen Insulintherapie bei Nichterreichen der Zielwerte.

Infarktrisiko: Lipidwerte sagen nicht alles

Das HDL-Dogma wankt – Menschen mit vererbt niedrigem Spiegel an HDL-Cholesterin sind nicht stärker herzgefährdet als andere – zumindest zeigt dies ein Experiment der Natur

Diabetiker haben bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Als wichtiger Risikofaktor gilt gemeinhin ein verändertes Blutfettprofil. Die gefährliche Konstellation besteht nach der Lehrmeinung in erniedrigten Blutspiegeln an HDL (High-Density-Lipoprotein, eine bestimmte Fraktion des Blutcholesterins), erhöhten Spiegeln für Triglyzeride und kleinen, dichten LDL-Partikeln (Low-Density-Lipoprotein). Schon vor 30 Jahren wurde die These vom reversen Cholesterintransport aufgestellt. Danach transportieren HDL-Teilchen gefäßverengendes Cholesterin aus der Gefäßwand zurück zur Leber. Sie sind der gefäßschützende Gegenspieler der LDL-Teilchen. “Ein Experiment der Natur” bei Menschen, deren HDL-Spiegel genetisch bedingt niedrig sind, bringt diese pauschale Annahme ins Wanken.

KHK-Risiko sogar geringer als üblich

Dänische Forscher untersuchten Menschen mit einer bestimmten Genmutation (siehe unten), die besonders niedrige HDL-Spiegel aufweisen. Die Betroffenen hatten einen durchschnittlichen HDL-Spiegel von 41 mg/dl, gegenüber 58 mg/dl im Gesamtkollektiv von über 56000 Persoenen, aus denen diese Fälle stammten. Die Differenz von 17 mg/dl würde statistisch eine Erhöhung des KHK-Risikos um den Faktor 1,7 bedeuten. Jedoch lag das relative KHK-Risiko der Personen mit mutiertem Gen nur bei 0,93. Das eher erniedrigte Risiko war auch nicht mit niedrigen LDL-Spiegeln zu erklären; sie lagen im Normbereich.

Umgekehrt trifft auch die Annahme nicht immer zu, dass besonders hohe Spiegel an HDL-Cholesterin vor koronarer Herzkrankheit schützen. Die dänischen Forscher vermuten nun, dass es für das Gefäßrisiko gar nicht auf die Höhe des HDL-Cholesterins ankommt, sondern auf seine Qualität. Scheinbar gibt es gefäßschützende, aber auch entzündungsfördernde Varianten des Lipoproteins. Letztere würden die Atherosklerose fördern statt vermindern.

HDL über 60 mg/dl gilt als herzschützend

Die meisten Forscher sind aber der Meinung, dass die Ausnahmen nicht die Regel aufheben, wonach HDL über 60 mg/dl als kardioprotektiv angesehen wird. Der Grenzwert für niedriges HDL wird bei 40 mg/dl gesehen.

Selten: Vererbter HDL-Mangel

An der Entstehung der HDL-Teilchen, die überschüssiges Cholesterin aus der Gefäßwand abtransportieren und so die Gefäße schützen, ist das Gen und Protein ABCA1 beteiligt. Das Protein transportiert Cholesterin und Phospholipide aus dem Zellinneren von Makrophagen an die Oberfläche, wo dann das High-Density-Lipoprotein (HDL) gebildet wird. Bei Menschen mit der sehr seltenen Tangier-Erbkrankheit liegen reinerbig (homozygot) bestimmte Mutationen im Gen ABCA1 vor. Dies führt zu unmessbar niedrigen HDL-Blutspiegeln. Bei nur teilweiser Vererbung (Heterozygotie) entsteht der “familiäre HDL-Mangel”, die HDL-Spiegel sind deutlich erniedrigt. Triglyzeride sind nicht verändert.

Redaktion: Ralf Schlenger, Apotheker

Kindern und Jugendlichen droht schlechtere Behandlung

Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 droht schlechtere Behandlung

Fazit des IQWiG zu kurz wirksamen Insulinanaloga fehlerhaft

Kurz wirksame Insuline ermöglichen Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 ein fast normales Leben. Sie erhalten bisher entweder kurz wirksames Humaninsulin oder künstlich hergestelltes Insulin. Das heutige breite Therapieangebot hat messbare gesundheitliche Vorteile. Trotzdem könnte eines der Medikamente ?die kurz wirksamen Insulinanaloga ?schon bald nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, warnen diabetesDE und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetelogie (AGPD) der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Grund dafür ist ein kürzlich veröffentlichter Vorbericht des Instituts für Gesundheitswesen (IQWiG), in dem es den Zusatznutzen dieser Insulinart für Kinder und Jugendliche verneint. Die Diabetes-Experten fordern, dass das Institut in seinem Abschlussbericht den tatsächlichen Bedarf chronisch kranker junger Patienten berücksichtigt und das Therapieangebot erhalten bleibt.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen zurzeit unterschiedlich schnell und unterschiedlich lang wirkende Insuline. Diese ermöglichen eine Anpassung der Diabetes-Therapie an den Tagesablauf und damit ein altersgerechtes Heranwachsen. Die Therapievielfalt zahlt sich aus: In den letzten 15 Jahren habe sich der Stoffwechsel bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 messbar verbessert, betonen die Diabetes-Experten in einer Stellungnahme. So sei der Anteil der Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Normalbereich liegen, in diesem Zeitraum von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen.

Der aktuelle Vorbericht des Instituts für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Thema ?Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1? berücksichtige dies nicht: Der Nutzen kurzwirksamer Analoga sei nicht ausreichend belegt, um eine Erstattungsfähigkeit durch die Gesetzlichen Krankenkassen zu sichern, so das IQWiG. Nach Meinung der AGPD ist die Schlussfolgerung jedoch fehlerhaft: Aufgrund ethischer Bedenken bezüglich langfristiger pharmakologischer Studien mit Kindern und Jugendlichen liegt wenig Datenmaterial vor. Das IQWiG orientiert sich in seinem Bericht deshalb an Zielgrößen und Untersuchungen erwachsener Menschen. Er erfülle damit zwar formale Kriterien, so die AGPD, bilde jedoch nicht die Realität der pädiatrischen Diabetologie und den Bedarf chronisch kranker junger Menschen ab. Andere nationale Organisationen ? wie beispielsweise das National Institute for Health an Clinical Excellence in Großbritannien (NICE) ? bewertet das vorliegende Datenmaterial anders und empfiehlt kurz wirksame Insulinanaloga als Standard.

Die Experten der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen haben in einer ausführlichen Stellungnahme ihre Begründungen zum Vorbericht dem IQWiG zukommen lassen. Das Institut würdigt zurzeit die schriftlichen Stellungnahmen und erarbeitet einen Abschlussbericht für den Gemeinsamen Ausschuss (G-BA). Sollte das IQWiG bei seinem Ergebnis bleiben und der G-BA sich dieser Meinung anschließen, werden kurz wirksame Insulinanaloga zukünftig nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Die Diabetes-Experten von diabetesDE, AGPD und DDG fordern, das bisherige Therapie-Angebot zu erhalten, da es nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen spürbar verbessert. Es spart dem Gesundheitswesen auch viel Geld: Die Folgen von konstant normalen Blutzuckerwerten im Kindesalter sind deutlich weniger Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus. Insbesondere Fußamputationen, Nierenversagen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Blindheit lassen sich damit bei den erwachsenen Diabetes-Patienten vermeiden. Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Rund 25 000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland mit der bisher unheilbaren Erkrankung.

Weitere Informationen

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft / diabetesDE vom 07.07.2009 zum Vorbericht “Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 (Auftrag A08-01)”, verfasst vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).
Im Internet: http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/

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Übergewichtsrisiko verringern

Übergewicht bei Kindern von Müttern mit Typ 1 Diabetes vorbeugen

Ergebnisse der BABYDIAB-Studie von der Forschergruppe Diabetes der TU München und dem Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München

Eine Typ 1 Diabetes-Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft erhöht nicht per se das Risiko der Kinder, später Übergewicht zu entwickeln. Vielmehr beeinflussen Faktoren, die mit einem mütterlichen Typ 1 Diabetes in Zusammenhang stehen, den Gewichtsverlauf der Kinder. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler von der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München bei einer Auswertung der BABYDIAB Studie. Untersucht wurde die Gewichtsentwicklung bis zum Alter von acht Jahren bei Kindern, die eine Mutter mit Typ 1 Diabetes haben im Vergleich zu Kindern einer nicht-diabetischen Mutter.

Aus einer früheren Auswertung der BABYDIAB Studie ist bereits bekannt, dass Kinder von Müttern mit Typ 1 Diabetes häufiger mit einem erhöhten Geburtsgewicht zur Welt kommen. Außerdem ergab eine Auswertung von Daten zweier Studien des Instituts für Diabetesforschung und des Forschungsinstituts für Kinderernährung, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes ihre Nachkommen seltener und kürzer stillen. Beide Faktoren erhöhen das Risiko der Kinder, später übergewichtig zu werden. Die Ergebnisse der BABYDIAB Studie weisen daraufhin, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes der Entwicklung von Übergewicht bei ihren Kindern vorbeugen können: Zum einen sollen sie versuchen, die Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft zu optimieren, damit das Geburtsgewicht des Kindes im Normbereich bleibt. Anzustreben ist ein HbA1c zwischen 5,7% und 7%. Zum anderen sollten schwangere Frauen mit Typ 1 Diabetes ermutigt und unterstützt werden, ihre Babys entsprechend den Empfehlungen der nationalen Stillkommission zu stillen. Das bedeutet, dass Mütter ihre Kinder bis zu sechs Monate voll stillen und mit der Einführung der Beikost nicht sofort abstillen sollten.

Literatur
Hummel S, Pflüger M, Kreichauf S, Hummel M, Ziegler AG. Predictors of Overweight during Childhood in offspring of Parents with Type 1 Diabetes. Diabetes Care, 2009
Schoen et al. Breastfeeding Duration in Families with Type 1 Diabetes Compared to Non-Affected Families: Results from BABYDIAB and DONALD Studies in Germany Breastfeeding Medicine 2008, Volume 3, Number 3: 171-175
Hummel S, Winkler C, Schoen S, Knopff A, Marienfeld S, Bonifacio E, Ziegler AG. Breast feeding habits in families with type 1 diabetes. Diabet Med 2007, 24: 671-676
Hummel M, Marienfeld S, Huppmann M, Knopff A, Voigt M, Bonifacio E, Ziegler AG. Fetal growth is increased by maternal type 1 diabetes and HLA DR4-related gene interactions. Diabetologia 2007, 50: 850-858

Folgeschäden bei Diabetes

Diabetikern fehlt Gefäßschutz durch Vitamin B1

Diabetiker scheiden mehr Vitamin B1 aus als Gesunde. Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente

Schäden an Nieren, Nerven und Augen zählen zu den gefürchteten Spätfolgen des Diabetes. Doch der chronisch erhöhte Blutzucker ist nicht alleine schuld – zumindest nicht direkt. Er sorgt auch dafür, dass der Löwenanteil des zugeführten Vitamin B1 bei Diabetes über die Nieren ausgeschieden wird, statt im Körper zu bleiben. Vitamin B1 (Thiamin) ist notwendig, um den Organismus von gefäßschädigenden Abbauprodukten zu entgiften.

Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente. Zwei aktuelle klinische Studien mit Diabetikern stellten positive Effekte hochdosierter Vitamingaben auf eine vorhandene Albuminurie bzw. Polyneuropathie fest. Eine weitere Studie erklärt den Mechanismus, und warum das Labor selbst extreme Thiamindefizite oft nicht entdeckt.

Mit Vitamin B1 gegen neuropathische Schmerzen

Diabetische Polyneuropathie ist ein Folge angegriffener Nerven und Blutgefäße. Symptome sind Schmerzen oder auch Schmerzlosigkeit in den Füßen, Missempfindungen, Muskellähmungen. Eine Studie der Gießener Universitätsklinik untersuchte, ob die Gabe des Vitamin-B1-Ablkömmlings Benfotiamin gegen die Symptome hilft. Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe von Vitamin B1, die der Körper wesentlich besser aufnimmt als das wasserlösliche Vitamin selbst. Die Diabetiker erhielten sechs Wochen lang täglich 300 oder 600 mg Benfotiamin, oder Plazebo. Nach dieser Zeit hatte sich der Neuropathische Symptomen Score (NSS) in der Patientengruppe, die das Studienprotokoll eingehalten hatte, signifikant gebessert. Ein Zufallsergebnis war also ausgeschlossen. Tendenziell wurden auch Schmerzen reduziert: “Benfotiamin lindert auch ohne zusätzliche Gabe anderer Wirkstoffe die Schmerzen deutlich”, sagte der Endokrinologe Prof. Reinhard Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Gießen. Die deutlicheren Erfolge erzielte jeweils die höhere Dosis mit 600mg Benfotiamin. Die Verträglichkeit beider Dosierungen war gut.

Diabetes geht an die Nieren

Hilft auch die Gabe von Vitamin B1 selbst gegen diabetische Folgeschäden? Das Vitamin wird lediglich in “physiologischen” Dosen von bis zu 1 mg vollständig vom Körper aufgenommen. Als Hochdosiertes Thiamin vermag dennoch in experimentellen Studien der Entwicklung einer Mikroalbuminurie (Übermäßige Ausscheidung von Bluteiweiß bei einer Nierenschädigung) vorzubeugen.

Inwieweit dies auch beim Menschen der Fall ist, untersuchte eine Forschergruppe der Diabetesklinik in Lahore/Pakistan. In der kleinen Studie bekamen 40 Typ-2-Diabetiker mit erhöhter Albuminausscheidung nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) entweder für drei Monate täglich 3 x 100 mg Thiamin oder ein wirkstofffreies Plazebo. Weder Arzt noch Patient wussten, wer einen Wirkstoff (Verum) und wer Plazebo erhält (Doppelblindstudie). In der Verumgruppe sank die Albuminausscheidung im Urin hochsignifikant um 17,7mg pro 24 Stunden, während sich unter Plazebo kein signifikanter Effekt zeigte. Man untersuchte noch weitere stoffwechselrelevante Zielgrößen, doch auf Blutzucker, Blutfette und Blutdruck hatte die Vitamintherapie keinen Einfluss. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. “Hochdosierte Thiamingaben können die Behandlung früher Stadien diabetischer Nehropathie verbessern”, resümieren die Forscher.

Thiamin hilft, gefäßschädigende Stoffe abzubauen

Das B-Vitamin Thiamin (Aneurin) spielt eine zentrale Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Thiamin ist auch für die Funktion eines wichtigen Entgiftungsenzyms, der Transketolase, unentbehrlich. Dieses Enzym bremst die zerstörerische Wirkung des erhöhten Blutzuckers. Fehlt Thiamin, ist dieser Entgiftungsprozess gestört. Zudem ist Vitamin B1 maßgeblich an der Erregungsleitung im Nervensystem beteiligt. Wegen der begrenzten Speicherkapazität und der hohen Umsatzrate muss Thiamin täglich in ausreichender Menge aufgenommen werden. Die empfohlene physiologische Zufuhr liegt bei täglich 1,1 bis 1,5 mg. Zur Vorbeugung und Therapie von Gefäßschäden werden wesentlich höhere Dosierungen eingesetzt.

Vitamin B1 bremst Glukosegiftigkeit

Die Konzentration des wasserlöslichen Vitamins im Bluplasma liegt bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes rund 75% niedriger als bei Gesunden, fanden britische Forscher heraus. Ursache des Thiamin-Defizites sei eine übermäßig gesteigerte Ausscheidung über die Nieren: Gegenüber Gesunden war diese bei Typ-1-Diabetikern 24-fach und bei Typ-2-Diabetikern 16-fach erhöht.

“Hohe Blutzucker-Konzentrationen unterdrücken in vitro die Expression eines Thiamin-Transporters in der Niere”, erklärte Dr. James Larkin aus der britischen Arbeitsgruppe. “Dieses Molekül begrenzt normalerweise die Thiamin-Ausscheidung. Fehlen Thiamin-Transporter, geht das Vitamin über den Urin verloren.” Es unterbleibt die genügende Aktivierung der Transketolasen, somit wird das körpereigene Entgiftungssystem für Zwischen- und Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels ausgebremst.

Dies alles deutet darauf hin, dass der Weg von einem schlecht eingestellten Zuckerstoffwechsel hin zu mikrovaskulären Komplikationen wohl über den Verlust von Vitamin B1 führt, meinen die Forscher. Schädliche Effekte der Blutglukose auf die Gefäße nehmen zu. Für diesen Zusammenhang spricht auch der Anstieg von Blut-Markern für Gefäßschäden und Adernverkalkung bei Diabetikern mit Thiaminmangel. Die therapeutische Gabe von Vitamin B1 bzw. vitaminähnlicher Stoffe wie Benfotiamin kann die Aktivität der Transketolase um das Drei- bis Vierfache steigern – eine aussichtsreiche Option zur Vorbeugung und Behandlung diabetischer Gefäßkomplikationen.

Thiaminmangel maskiert sich selbst

Eine Erklärung, warum die starken Vitamin- B1-Verluste bei Diabetikern bisher weithin unbekannt waren, liefern die Wissenschaftler gleich mit: Bei der konventionellen Bestimmung des Thiamins, der Messung des Thiamin-Effekts in den Erythrozyten, wird der Mangel maskiert. Denn rote Blutkörperchen sind in der Lage, bei Thiaminmangel die Bildung von Transportproteinen zu steigern, die Thiamin in die Blutkörperchen einschleusen. Über diese ausgleichenden Mechanismen scheinen aber die gefährdeten Gewebe von Diabetikern, wie beispielsweise Nieren, Augen und Nerven, nicht zu verfügen. Hier kommt es zum Thiaminmangel auch in den Zellen – mit komplexen Stoffwechselstörungen als Folge.

Weil überflüssig bis schädlich

“Diabetiker-Lebensmittel” vor dem Aus

Spezielle Diät-Lebensmittel für Diabetiker verschwinden bald aus den Regalen. Das forderten Experten schon lange

Über Jahre haben strenge Diäten mit dem Verbot von Zucker und genauem Abzählen von Broteinheiten (BE) den Diabetiker-Alltag geprägt – und belastet. Um den “Zuckerkranken” das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, brachte die Industrie spezielle Lebensmittel auf den Markt, von “Diät”-Marmeladen, -Brotaufstrichen, -Fruchtsäften, bis hin zu “Diabetiker”-Weinen und -Bieren. Einer Studie zufolge konsumiert ein Großteil der Diabetiker heute noch regelmäßig solche speziellen Diätprodukte.

Fachleute lehnen Diätlebensmittel für Diabetiker ab

Lebensmittel speziell für Diabetiker gelten jedoch heute unter Experten als unnütz, mitunter gar schädlich. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und Ernährungsexperten wie Dr. med. Monika Toeller vom Deutschen  Diabetes-Zentrum der Universität Düsseldorf fordern schon lange ihre Abschaffung, aus mehreren Gründen:

  • Das totale Zuckerverbot ist wissenschaftlich völlig überholt. Wie in der Allgemeinbevölkerung sollte die Aufnahme freier Zucker beim Diabetiker 10% der Gesamtenergie nicht überschreiten.
  • Ansonsten gelten für Diabetiker inzwischen die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für den Rest der Bevölkerung. Günstig ist eine “mediterran” geprägte Kost mit einem hohen Anteil von ballaststoffreichem Obst, Gemüse Hülsenfrüchten, wenig rotem Fleisch, eher Fisch, mehr einfach ungesättigten Fetten wie Olivenöl. Fette sollen nicht mehr als 35% der Gesamtenergie ausmachen. Ein normales Körpergewicht ist anzustreben.
  • Vielen Diabetikern ist nicht bewusst, dass ihre “Diät”-Lebensmittel zu viel ungünstige Fette enthalten, zu kalorienreich und überdies relativ teuer sind. Sie halten womöglich vom Verzehr gesünderer Lebensmittel (s.o.) ab.

Wie es zu dem Zuckerverbot kam …

Bei der Stoffwechselkrankheit Diabetes produziert der Körper entweder gar kein Insulin mehr (Typ 1) oder nur noch in abnehmendem Umfang, verbunden mit geringerer Wirkung auf die Zellen, die Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen (Insulinresistenz Typ 2). Beide Formen des Krankheitsbildes bewirken, dass mit der Nahrung aufgenommene oder aus ihr gebildete Zuckerstoffe nicht als Energielieferanten oder Energiespeicher verwertet werden. Vielmehr reichert sich Zucker im Blut an und wird ungenutzt im Urin wieder ausgeschieden.

Daraus leitete man ursprünglich als Behandlungsprinzip ab, die Zuckerzufuhr mit der Nahrung streng zu begrenzen oder ihn durch Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose zu ersetzen.

… und warum es heute “out” ist

Diese Strategie greift jedoch aus zwei Gründen zu kurz, wie man heute weiß:

  • Der überhöhte Blutzucker ist nicht in erster Linie die Folge der Zufuhr von zu viel Süßem, sondern er entsteht durch Stoffwechselstörungen im eigenen Körper. Was der Mensch an purem Zucker über die Ernährung aufnimmt, ist wenig im Vergleich zu dem, was bei manifestem Diabetes auf das Konto mangelnder Insulinbildung und der Insulinresistenz geht.
  • Diabetes mellitus ist mehr als eine “Zuckerkrankheit”. Die metabolische Störung betrifft auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Maßnahmen, die nur auf den Zuckerhaushalt zielen, reichen nicht aus. Vor allem bei Typ-2-Diabetikern existieren Stoffwechselstörungen schon lange, bevor der Blutzucker anhaltend steigt und die Krankheit diagnostiziert wird. Um Diabetes vorzubeugen und zu behandeln, müssen sich individuelle Ernährungsmuster ändern. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind hierfür nicht erforderlich.

Was plant der Gesetzgeber?

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz plant eine Anpassung der nationalen Diätverordnung an den wissenschaftlichen Kenntnisstand. Der Entwurf zur Änderung der Diätverordnung sieht eine ersatzlose Streichung des § 12 mit spezifischen Regelungen für so genannte Diabetiker-Lebensmittel vor.

Die deutsche Diabetes-Organisation diabetesDE unterstützt das Vorhaben und dringt auf die rasche Umsetzung der Änderung der Diätverordnung. Die Übergangsfrist für so genannte Diabetiker-Lebensmittel solle so kurz wie möglich gehalten werden, um rasch die notwendige Klarheit für Menschen mit Diabetes zu gewährleisten. diabetesDE plädiert überdies dafür, die Angabe von Broteinheiten (BE) auf Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs im europäischen Markt abzuschaffen. Die lediglich didaktische Benennung “BE” finde sich nur noch in sehr begrenzten Gruppen in Deutschland. Stattdessen plädiert diabetesDE für die Angabe von Gramm Kohlenhydraten neben den anderen Nährstoffen auf allen verpackten Lebensmitteln, wie in den EU-Entwürfen vorgesehen.

Spitzenreiter Deutschland

Fett und Kalorien in deutschen Gerichten

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen
“Men’s Health”-Jury kürt die ungesündesten Hauptmahlzeiten und Desserts – Pfälzer Saumagen ist “das teuflischste aller Gerichte”

diabetes-news-schweinebraten Die klassische deutsche Küche strotzt vor Fett und Kalorien. Zwar hat jede Region ihre kulinarischen Eigenheiten – doch die Liebe zu deftigen Speisen vereint alle Bundesbürger. Deutschland steht auf Platz 1 der Hitliste der dicksten Menschen Europas. Gemeinsam mit einer Experten-Jury, bestehend aus dem Sternekoch Frank Buchholz aus Mainz, der Ökotrophologin Franca Mangiameli vom Kompetenzzentrum für Ernährungsberatung in Gießen und dem Men’s Health Foodredakteur Rufus Rieder, hat das Männer-Lifestylemagazins “Men’s Health” (Ausgabe 11/2009, EVT 14.10.2009) jetzt die Sieger im Wettbewerb um die schlimmsten Hauptgerichte und Desserts aus Deutschland gekürt.

Den Experten geht es dabei allerdings nicht um den Verzicht auf die leckeren Katastrophen, sondern sie geben ihren Lesern Tipps zur effektiven Reduzierung der Kalorien. Meist sind in der Tat nur sehr geringe Änderungen des Rezeptes nötig, um aus einem kulinarischen Dickmacher ein ernährungsphysiologisch wertvolles Essen zu machen.

Mit 1.022 Kalorien und 75 Gramm Fett pro Portion liegt der berühmte Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut an der einsamen Spitze der von der Jury gekürten katastrophalen Gerichte. Diese Schweinefleisch-Spezialität aus dem Südwesten ist nach Ansicht der Experten sogar “das teuflischste aller Gerichte” in Deutschland. Auf Platz 2 der kulinarischen Katastrophen schaffte es die nicht nur im Rheinland beliebte Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei: 1.018 Kalorien und 79 Gramm Fett pro Portion wirft die Blutwurst-Mahlzeit in die Waagschale, denn die Wurst besteht zu 70 Prozent aus reiner Schwarte. Auf Platz 3 kam das “entsetzliche Eisbein” mit Sauerkraut und Semmelknödeln aus Deutschlands Nordosten. 991 Kalorien und 47 Gramm Fett enthält eine durchschnittliche Portion dieser zumindest für die Gesundheit fragwürdigen Spezialität. Dabei ist die Entschärfung der Kalorien-Bomben überhaupt kein Kunststück. Bratkartoffeln kann man durch fettlos im Ofen gebackene Kartoffeln ersetzen, Kartoffelbrei schmeckt auch ohne Butter gut, mageres Fleisch gibt es in allen Varianten, und schließlich lässt sich der Zuckeranteil vieler Speisen leicht reduzieren – das gilt auch für kalorienreiche Desserts.

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen aus Deutschlands Regionen

Hauptgerichte

  1. Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut (Südwesten) – 1.022 Kalorien/75 Gramm Fett pro Portion
  2. Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei (Rheinland) – 1.018 Kalorien/79 Gramm Fett pro Portion
  3. Eisbein mit Sauerkraut und Semmelknödeln (Nordosten) – 991 Kalorien/47 Gramm Fett pro Portion
  4. Weißwurst mit süßem Senf, Brezel und Hefeweizen (Süden) – 982 Kalorien/52 Gramm Fett pro Portion
  5. Holsteiner Grützwurst mit Kartoffelbrei und Apfelkompott (Nordwesten) – 903 Kalorien/51 Gramm Fett pro Portion
  6. Schwartenmagen mit Sahnepüree, Sauerkraut und Brot (Hessen) – 696 Kalorien/34 Gramm Fett pro Portion
  7. Mutzbraten mit Brot und Sauerkraut (Südosten) – 681 Kalorien/35 Gramm Fett pro Portion

Desserts

  1. Germknödel mit Vanillesoße und Mohnzucker (Süden) – 687 Kalorien/16 Gramm Fett pro Portion
  2. Windbeutel (Nordosten) – 630 Kalorien/39 Gramm Fett pro Portion
  3. Badische Linzertorte ((Südwesten) – 501 Kalorien/28 Gramm Fett pro Portion
  4. Pfützenkuchen (Hessen) – 439 Kalorien/31 Gramm Fett pro Portion
  5. Milchreis mit Zucker und Zimt (Rheinland) – 434 Kalorien/12 Gramm Fett pro Portion
  6. Baumkuchen (Südosten) – 427 Kalorien/22 Gramm Fett pro Portion
  7. Franzbrötchen (Nordwesten) – 323 Kalorien/15 Gramm Fett pro Portion

Diabetes 2009

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“Diabetes 2009″ – ein voller Erfolg

Kongressmesse stieß bei Betroffenen und beim Fachpublikum auf eine riesige Resonanz

Zur Kongressmesse “Diabetes 2009″ in der Halle Münsterland kamen gut 2.000 Fachbesucher und mehr als 6.000 Gesundheitsinteressierte am Patiententag, der am Sonntag stattfand. Das ist eine ausgesprochen positive Bilanz der “Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln” in Münster. “Die in ihrer Kombination aus Fachmesse, Kongress und Patiententag bundesweit einmalige Veranstaltung war damit ein voller Erfolg “, lautete das Fazit von Dr. Ursula Paschke, Geschäftsführerin des Messe- und Congress-Centrums Halle Münsterland.

Am Sonntag stand die dreitägige Messe Patienten und deren Angehörigen und allen Gesundheitsinteressierten offen. “Das Informationsbedürfnis der Besucher war enorm”, freute sich Thomas Arabin, Leiter des Geschäftsbereichs Eigenveranstaltungen. Der hohe Stellenwert des Patiententages lasse sich daran ermessen, dass renommierte Experten, die bereits auf dem Fachkongress referiert hatten, nun den Besuchern Rede und Antwort standen.

Mit mehr als 100 Ausstellern konnte die Messe neue Schwerpunkte setzen. Sie rückte die Lebensqualität von Diabetikern in den Vordergrund. “Neben den Anbietern von Pharmazeutika und Medizintechnik haben wir verstärkt Aussteller gewonnen, die Themen wie Ernährung oder Wellness abdecken”, erklärte Projektleiterin Christiane Eidmann. Im “Forum Prävention” ging es dann auch um richtige Ernährung mit Gesundheitstests, die auf ein sehr großes Interesse der Besucher trafen. Viele Besucher ließen Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Fußdruck und Hörfähigkeit prüfen. Häufig übersehene Zusammenhänge wurden aufgedeckt: “Auch Parodontitis gehört zu den Folgekrankheiten eines Diabetes”, klärte Dr. Ludger Steinhaus, Zahnarzt aus Münster, auf.

Eine gewisse Sorglosigkeit der Menschen stellte Diabetesberaterin Marianne Stübbe vom Universitätsklinikum Münster fest: “Manche Besucher zeigten sich mit durchaus schon kritischen Messwerten noch zufrieden”, resümierte sie. In ihren Gesprächen wies sie auf die möglichen Gefahren hin.

Eine ebenfalls sehr positive Resonanz fand der Fachkongress am Freitag und Samstag. Themenschwerpunkte wie “Diabetes bei Kindern und Jugendlichen”, diabetische Augenerkrankungen, Neuropathie oder “Bewegung und Ernährung” fanden Anklang beim Fachpublikum. Dazu zählten Ärzte, Apotheker und Diabetesberaterinnen.

Wissenschaft von der praktischen Seite präsentierten Meisterkoch Alfons Schuhbeck und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. Bei einer Kochshow am Freitagabend führte der Sternekoch sein Rezept für eine gesunde Ernährung vor: “Fleisch und Fisch lieber schonend garen statt heiß brutzeln. Das schont die Gefäße”.

Die eigene Gesundheit steht hoch im Kurs: Mehr als 6.000 Besucher kamen am Sonntag zum Patiententag der “Diabetes 2009 – informieren, denken, handeln”.