Kategorie-Archiv: 2009

Adipositas-Epidemie

Adipositas und der Einfluss von Fastfood auf die Appetitkontrolle

Fastfood und Fertigprodukte haben großen Einfluss auf die Appetitregulation. “Der Gefräßig-Macher” ist ein Buch mit der Thematik Regulation von Appetit und Sättigung. Interview von Susan Röse mit Prof. Dr. Hermanussen

Herr Prof. Dr. Hermanussen, können Sie sich bitte kurz vorstellen (wer sind Sie, wo arbeiten Sie, welche Studie betreuen Sie aktuell, welche noch offenen Fragen werden geklärt)?

Ich bin Kinderarzt und Professor an der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Teilweise arbeite ich als niedergelassener Kinderarzt in meiner Praxis, teilweise betreue ich Studenten und bin in der Forschung tätig. Meine Arbeitsgebiete sind Wachstum und Entwicklung von Kindern, seit etwa 7 Jahren beschäftige ich mich insbesondere mit Fragen zu Adipositas und Sättigungsregulation.

Kann man heute von einer Adipositas-Epidemie sprechen?

Ich halte diesen leider sehr oft benutzten Ausdruck für eher problematisch. Von einer Epidemie spricht man, wenn es um ansteckende Erkrankungen geht. Das ist natürlich bei der Adipositas nicht der Fall.

Ist die Adipositas eine Essstörung?

Natürlich ist die Adipositas eine Essstörung. Ich finde es aber viel interessanter zu fragen, warum es zu dieser Essstörung kommt.

Ist das Fastfood verantwortlich für die Adipositas?

Wir wissen, dass gemeinsam mit der weltweiten Verbreitung von Fastfood-Ernährung die Menschen dicker werden. Es ist aber nicht wirklich klar, warum das so ist. Die gängige Vorstellung – Fastfood enthalte zu viel Fett und mache deshalb dick – ist sicher falsch. Fastfood scheint eine Reihe von verschiedenen Mechanismen auszulösen, die die Regulation des Appetits unterlaufen.

Wie groß ist der Einfluss von Fastfood auf die Appetitregulation?

Das ist schwierig zu beantworten und zum heutigen Zeitpunkt sicher nicht wirklich bekannt.

Was sagt der “Gefräßig-Macher” dazu? (Können Sie bitte erst in ein- bis zwei Sätzen Ihr Buch vorstellen und dann die Frage beantworten?)

Wir betrachten die Adipositas als einen Ausdruck gestörter Sättigungsregulation. In unserem Buch “Der Gefräßig-Macher” beschreiben wir einen wichtigen Faktor in dieser Regulation – das Glutamat – und zeigen, auf welche Weise diese Substanz in die Regulation von Appetit und Sättigung eingreift. So können wir relativ unmittelbar zeigen, warum das übliche Fett- und Kaloriensparen der falsche Weg zu einer Behandlung des Übergewichtes ist. Wie beim Puzzeln legen wir in unserem Buch wissenschaftliche Veröffentlichungen zu einem neuen Bild der Sättigungsregulation zusammen. Wir berichten – hoffentlich allgemeinverständlich – über die biochemischen Zusammenhänge zwischen unserer täglichen Kost, der Appetitregulation im Hirn und unserem Stoffwechsel und unternehmen kleine Ausflüge zu Insulin, Fastfood und Geschmacksempfindungen. So wird für den interessierten Laien deutlich, wie der so genannte Geschmacksverstärker Glutamat, aber auch der Eiweißgehalt unserer Nahrung, auf unser Essverhalten einwirkt.

Was ist Kindergesundheit24?

www.Kindergesundheit24.de ist ein kostenloses, sponsorenfinanziertes Online-Vorsorgeportal für Eltern, Kinder und Jugendliche. Das hat es in dieser Form bisher nicht gegeben. Indem wir mit Hilfe einer komplexen Software nach Körpergröße, Körpergewicht und – je nach Alter und Geschlecht des Kindes – nach einer Vielzahl standardisierter Details fragen, gelingt es, den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes automatisch zu beurteilen. Auf diesem Wege können viele Entwicklungsstörungen bereits über ein Internetportal, d.h. ohne Zutun eines Arztes, früh erkannt und ggf. die kinderärztliche Behandlung zum frühestmöglichen Zeitpunkt vorbereitet werden. Das Portal wird von international anerkannten Spezialisten auf dem Gebiet der Wachstumsforschung mitbetreut.

Sollte sich der Verbraucherschutz mehr dem Schutz unserer Kinder widmen?

Die Werbung suggeriert, dass viele Produkte eine normale Ernährung mit frischem Obst und Gemüse vom Markt ersetzen, dabei ist der Zuckeranteil in solchen künstlichen Produkten sehr hoch. Nicht nur der Zuckeranteil ist ein Problem in der kindlichen Ernährung. Wir wissen seit vielen Jahren, dass – ganz entgegen allgemeiner Routineempfehlung – auch der Eiweißanteil in der kindlichen Kost zur späteren Entgleisung des Körpergewichtes beiträgt. Auch die heute üblichen Ideen zu Fettkonsum und Adipositas sind großenteils überholt. Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel neues Wissen angesammelt, das bisher aber kaum zur Kenntnis genommen und von der Werbung komplett ignoriert wird. Das ist sehr betrüblich.

Wie können wir Ihrer Meinung nach der Adipositas Epidemie wirksam begegnen?

Wir wissen, dass die Adipositas noch vor 30 Jahren kein Problem war. Wenn wir uns so ernähren und annähernd so bewegen wollten, wie es noch unsere Eltern getan haben, ginge es uns bedeutend besser. Wir sollten also vor allem darauf achten, den Konsum von Fastfood und Fertiggerichten erheblich einzudämmen – die industrielle Aufbereitung der Nahrung scheint für unsere Sättigungsregulation ein großes Problem zu sein – und unseren Eiweißkonsum zu beschränken. Das ist nicht schwer und bedeutet: weniger Fleisch und Fleischprodukte, weniger Milch und Milchprodukte und die Rückkehr zu einer eher (aber nicht notwendigerweise ausschließlich) vegetarischen Kost. Lassen Sie sich nicht von der Milchwerbung beeinflussen! Wir sind keine Kälber, die überwiegend von Kuhmilch leben. Und der allgegenwärtige Fanatismus hinsichtlich kalziumreicher Kost ist wissenschaftlich nicht begründet.

Pressekontakt
Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

Körperliche Aktivitäten langfristig erhöhen

Diabetes News Diabetes Mobil

Bewegungsprogramme sind sinnvoll für Menschen mit Diabetes

Bochum – Regelmäßige körperliche Aktivitäten gehören zur Therapie des Diabetes Typ 2. Doch der Weg vom Bewegungsmuffel zum Alltagssportler kann steinig sein. Um Patienten dabei zu unterstützen, sich mehr zu bewegen, bieten Sportmediziner vielerorts so genannte Bewegungsschulungen an. Dass sich die Teilnahme an einem solchen Programm auch langfristig lohnt, haben Wissenschaftler der TU München nun für das Schulungsprogramm “wie Diabetiker zum Sport kommen (DiSko)” nachgewiesen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der Schulung stellen sie in einem aktuellen Übersichtsartikel vor.

Die Wissenschaftler untersuchten körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit von 55 Menschen mit Diabetes Typ 2 mit DiSko-Schulung im Vergleich zu 37 Patienten ohne praktische Einweisung in ein Bewegungsprogramm. Nach einem Jahr waren die Schulungsteilnehmer viel sportlicher als die Vergleichsgruppe. Sie hatten die Dauer ihrer körperlichen Aktivität von durchschnittlich 6 auf 10 Stunden in der Woche erhöht – insbesondere im Alltag und in der Freizeit mit Rad fahren, Walking oder Nordic Walking.

Die Leistungsfähigkeit der Schulungsteilnehmer im Sechs-Minuten-Gehtest nahm durchschnittlich um 50 Meter zu. Zudem hatten sie – anders als die Vergleichspatienten – durchschnittlich 1,5 Kilogramm Körpergewicht verloren. Auch die Referenten, die deutschlandweit bisher 12.000 Patienten nach dem Programm geschult haben, sind überwiegend mit der Schulung zufrieden: 80% stuften die Umsetzbarkeit als “gut” oder “sehr gut” ein. Durch ein regelmäßiges Ausdauertraining können Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker positiv beeinflussen und so krankheitsbedingten Folgeschäden vorbeugen. Sie haben nachweislich ein geringeres Risiko für diabetesbedingte Nerven- oder Augenschädigungen. Auch das Risiko für Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sinkt.

Die DiSko-Schulung dauert 90 Minuten und wurde von der AG Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) entwickelt. Ihr Kernstück sind vier Themen zu Bewegungsmöglichkeiten und zur Motivation. Eine halbstündige, ärztlich geführte Bewegungsübung mit vorheriger und anschließender Blutzucker- und Pulsmessung ist ebenfalls Bestandteil des Programms. Seit 2003 wurden deutschlandweit über 1200 DiSko-Referenten ausgebildet, die Patienten mit Diabetes Typ 2 im Rahmen der herkömmlichen Patientenschulungen zusätzlich praxisorientiert zu mehr körperlicher Aktivität anleiten.

Weitere Tipps für mehr Bewegung im Alltag, zur Ernährung und über Diabetes mellitus sind im Internet auf der Seite www.diabetesde.org von der neuen Organisation diabetesDE für Menschen mit Diabetes aufbereitet.

Rauchen und Körpergewicht

Warum nehmen Ex-Raucher zu?

Um dies zu klären, startete die Uni Dresden einen Rauchentwöhnungskurs der besonderen Art

Das Problem ist lange bekannt: Wer mit dem Rauchen aufhört, wird leicht im Anschluss mit einer Gewichtszunahme “bestraft”. Untersuchungen haben gezeigt, dass Ex-Raucher nach sechsmonatiger Abstinenz durchschnittlich fünf Kilo an Körpergewicht zugelegt haben. Nach fünf Jahren bringen etwa jede fünfte Ex-Raucherin und jeder zwölfte Ex-Raucher mindestens 20 Prozent mehr auf die Waage als vor dem Nikotinentzug. Viele ehemalige Raucher führen diese Effekte auf einen spürbar gesteigerten Appetit zurück.

Zwickmühle gerade für Diabetiker

Für Diabetiker ist das Dilemma besonders groß: Einerseits sollten sie dem blauen Dunst ade sagen, weil Rauchen die vom Blutzucker eh schon angegriffenen Gefäßwände schädigt, Insulinresistenz fördert und das Risiko für Infarkte steigert. Letztlich sterben die meisten Zuckerkranken an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andererseits sollen Diabetiker ihr Körpergewicht auf Normalmaß bringen und halten, weil Übergewicht dieselben Risiken verstärkt, Diabetes und Herz-Kreislauf-Gefahr fördert. Daher stellt eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp eine zusätzliche Hürde für die Entwöhnungswilligen dar.

Obgleich das Dilemma lange bekannt ist, zeigen die verfügbaren Entwöhnungsprogramme für Raucher kaum Möglichkeiten auf, eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Das Rauchfrei-Therapieprogramm

Dies wollen Forscher des Universitätsklinikums Dresden ändern. In einer Studie mit freiwilligen Teilnehmern wollen sie herausfinden, wie sich die Gefahr der Gewichtszunahme während und nach einer Raucherentwöhnung senken lässt. Dazu bieten sie in Zusammenarbeit mit der Raucherambulanz der Technischen Universität eine Entwöhnungsbehandlung an. Untersucht werden sollen 75 Raucher vor und nach dem Rauchstopp und drei bzw. sechs Monate danach. Der Kurs basiert auf dem Rauchfrei-Therapieprogramm, dessen gute Erfolgsquote wissenschaftlich belegt ist. In Gruppensitzungen, Telefongesprächen und mit Hilfe eines Pakets von Materialien werden die Teilnehmer fundiert über die Rauchentwöhnung und ihre Fallstricke aufgeklärt und auf ihrem Weg aus dem blauen Dunst unterstützt.

Entwöhnung im Dienst der Wissenschaft

Während der Studie werden bei den Probanden die Blutspiegel bestimmter Hormone gemessen, wie Insulin, Leptin und Ghrelin. Diese Hormone sind an der Appetitregulation beteiligt und ihre Ausschüttung wird durch Nikotinzufuhr bzw. Rauchstopp verändert. Das “Speicherhormon” Insulin fördert den Aufbau von Fett. Das im Magen gebildete Hormon Ghrelin regt den Appetit an, während Leptin hier als Gegenspieler auftritt.

Veränderungen im Haushalt dieser appetitregulierenden Botenstoffe könnten die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp erklären, meinen die Forscher. Außerdem ist bekannt, in welchen Hirnregionen Informationen über Hunger und Sättigung verarbeitet werden (z.B. Hypothalamus, Lobus frontalis). Mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Kernspintomographie wird daher auch untersucht, wie diese Hirnstrukturen bei Nikotinentzug reagieren und wie sie zusammenwirken.

Zertifizierter Kurs

Das Rauchfrei-Programm, in dessen Rahmen die Untersuchungen stattfinden, wurde von den Krankenkassen zertifiziert. Sie übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten. Die Studienteilnehmer erhalten außerdem eine Aufwandsentschädigung. Entwöhnungswillige Nikotinjünger aus dem Raum Dresden können sich gerne unter der Telefonnummer 0351 46342205 melden.

Jetzt auch wissenschaftlich belegt

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Lachen ist gesund!

Lachen ist für Diabetiker die beste Zusatzmedizin, haben amerikanische Forscher jetzt gezeigt.

Eine definierte Zusatzportion Heiterkeit am Tag, in Form eines lustigen Films, hebt das gute Cholesterin und kann das Infarktrisiko senken. Messbare Veränderungen am Hormonhaushalt am Beispiel des Diabetes Typ 2 haben amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie erstmals belegen können.

Was wir schon immer ahnten …

Einflüsse der Psyche auf die körperliche Gesundheit werden seit zwei Jahrzehnten von der Wissenschaft erforscht. Ein Ergebnis, das nicht verwundert ist: Heiterkeit kann seelische Spannungen lösen, mobilisiert Lebensenergien und stabilisiert das emotionale Gleichgewicht. Neu ist, dass sie sich positiv auf den Hormonhaushalt auswirkt. Beispielsweise stimuliert schon die Vorfreude auf einen lustigen Film die Ausschüttung von Wachstumshormon und von Endorphinen, wie Forscher der Universität Loma Linda in Kalifornien herausfanden. Gleichzeitig sinkt die Ausschüttung von Stresshormonen.

Die auf einer Tagung der American Physiological Society in New Orleans vorgestellte Untersuchung belegt jetzt erstmals den günstigen Effekt von Freude und Heiterkeit auf eine Diabeteserkrankung. Gemeinsam mit dem Diabetesspezialisten Stanley Tan untersuchten die Forscher zwanzig Menschen mit Diabetes mellitus, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck. Die Hochrisiko-Patienten benötigten nicht nur mehrere Blutzuckermedikamente, sondern auch Blutdruck- und Cholesterinsenker. Der Hälfte der Patienten, der Gruppe L (“Lachen”) verordneten die Ärzte zusätzlich eine halbe Stunde Heiterkeit täglich – in Form eines lustigen Films.

… Heiterkeit ist gesund!

Positive Auswirkungen zeigten sich schon nach zwei Monaten: Die »Lachtherapie« hatte nicht nur die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin gesenkt. Auch Blutfette und entzündungsfördernde Botenstoffe wie das CRP – beide fördern die Arterienverkalkung – gingen zurück. Nach einem Jahr war die Konzentration des vorteilhaften HDL-Cholesterins in Gruppe L um ein sattes Viertel angestiegen. Der Entzündungsmarker CRP war um zwei Drittel abgefallen, 40% mehr als in der Vergleichsgruppe, deren Teilnehmer keine Videos gesehen hatten.

Die Humorstudie von Berk und Tan ist nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ernstzunehmende klinische Forschung. Nichts spricht dagegen, dergleichen in die Diabetes-Therapie zu integrieren.

Saisonale Grippe

Saisonale Grippeimpfung – für chronisch Kranke ein Muss

Im Zuge der Impfung bestimmter Bevölkerungsgruppen gegen die Neue Grippe Typ H1N1 – die Schweinegrippe – sollte die Impfung gegen die jährlich auftretende, saisonale Grippe nicht vergessen werden. Der Kreis der Personen, für die die beiden Formen der Grippeimpfung empfohlen werden, unterscheidet sich zum Teil. Eine Gruppe, für die in jedem Fall beide Impfungen – gegen die Schweinegrippe und die saisonal auftretende Grippe – empfohlen wird, ist die Gruppe der Menschen mit chronischen Erkrankungen. Doch gerade dieser besonders stark durch die Grippe gefährdete Personenkreis hat sich hier bisher nachlässig gezeigt – zu wenige ließen sich in den letzten Jahren gegen die saisonale Grippe impfen.

Nur jeder vierte chronisch Kranke gegen saisonale Grippe geimpft

Während sich gut die Hälfte der Über-60-Jährigen, für die die saisonale Grippe ebenfalls eine besonders große Gefahr darstellt, jedes Jahr impfen lässt (56% im Winter 2007/2008), sind von den chronisch kranken Menschen nur wenig mehr als ein Viertel vor der saisonalen Grippe geschützt (28% im Winter 2007/2008). Dabei kann die Infektion gerade für diese Gruppe sehr gefährlich sein, warnt Dr. Peter Lehmann, der als Internist in München häufig Grippeerkrankungen behandelt: “Bei chronisch Kranken ist die körpereigene Abwehr oft geschwächt, deshalb erkranken sie schwerer und sie leiden häufiger unter Komplikationen einer Grippe als gesunde Menschen”, so der Grippe-Experte.

Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe zählen laut Dr. Lehmann Lungenentzündungen, schwere Bronchitis, Herzinfarkte und Schlaganfälle. “Außerdem kann sich die chronische Erkrankung durch eine Grippe erheblich verschlimmern”, sagt Dr. Lehmann. So kann es zum Beispiel bei Asthma-Erkrankungen durch eine Grippe zu besonders schweren Asthma-Attacken kommen. Asthmatiker gehören daher wie auch Menschen mit chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und angeborener oder erworbener Immunschwäche zu dem Personenkreis, für den eine Impfung gegen die saisonale Grippe ausdrücklich von den Gesundheitsbehörden empfohlen wird. “Wer an einer chronischen Erkrankung leidet und noch nicht gegen saisonale Grippe geimpft ist, sollte dies umgehend nachholen”, rät Lehmann daher.

Die Impfung gegen die saisonale Grippe ist gut verträglich

Standard-Grippeimpfstoffe sind bei gesunden, jüngeren Erwachsenen gut wirksam. Bei chronisch Kranken kann jedoch die Schutzwirkung der Impfung mit einem gewöhnlichen Grippeimpfstoff etwas geringer ausfallen. Grund ist das schwächere Immunsystem bei dieser Gruppe, das in manchen Fällen zur Folge hat, dass nach der Impfung weniger Antikörper gegen die Grippeerreger gebildet werden. Deswegen auf die Impfung zu verzichten, wäre aber völlig falsch, meint Dr. Lehmann: “Ein etwas geringerer Schutz gegen die Grippe ist in jedem Fall besser als gar keiner – gerade bei diesen besonders gefährdeten Patienten.”

Vorteile durch wirkungsverstärkten Impfstoff

Vorteile bei Menschen mit geringerer Immunfunktion bietet der Einsatz eines wirkverstärkten Grippeimpfstoffs (Fluad®). Ein solcher Impfstoff steht bereits seit über 12 Jahren für Menschen ab 65 Jahren zur Verfügung und hat sich bei diesem Personenkreis bewährt. Er enthält eine wirkungsverstärkende Substanz (MF59), die die Reaktion des Immunsystems auf Impfungen steigert und dazu führt, dass bei den geimpften Senioren mehr Antikörper gegen Grippeviren gebildet werden als bei Standardimpfstoffen. Auf diese Weise wird auch bei dieser Gruppe trotz schwächerem Immunsystem ein besserer Schutz gegen die Grippe erzielt. Hinzu kommt, dass dieser Impfstoff auch dann noch schützt, wenn plötzlich leicht veränderte Grippeviren kursieren sollten. Ein weiteres wichtiges Argument für die Impfung ist die Auswertung von Fallkontrollstudien, die bei entsprechend geimpften Senioren im Vergleich zu Ungeimpften einen erheblichen Rückgang akuter stationärer Klinikaufenthalte aufgrund von Grippe-Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Schlaganfällen und akuten Herzerkrankungen während der Grippesaison gezeigt hat. Die Impfung ist gut verträglich. MF59 besteht im Wesentlichen aus Squalen, einer Substanz, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Die Substanz wird nach der Impfung vollständig im Körper abgebaut.

Weitere Informationen unter: www.influenza.de

Diabetische Folgeerkrankungen

Vitamin B1 schützt die Netzhaut

Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen zunehmend, dass Vitamin B1 (Thiamin) und seine Vorstufe, das Benfotiamin, dazu beitragen können, vor schwerwiegenden Folgeerkrankungen des Diabetes wie beispielsweise Erblindungen zu schützen: Die italienische Wissenschaftlerin Elena Berrone von der Universität Turin berichtete am 30.9.09 auf dem Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft in Wien über neue experimentelle Studienergebnisse. Diesen neuen Erkenntnissen zufolge können Thiamin und Benfotiamin isolierte Blutgefäßzellen der Netzhaut des Auges (Retina) vor den zerstörerischen Auswirkungen schwankender Blutzuckerspiegel bewahren.

Die aktuellen Untersuchungen der Turiner Forscher zeigen auch, dass vor allem schwankende Blutzuckerkonzentrationen, wie z.B. Blutzuckerspitzen nach dem Essen, dramatisch den Untergang (Apoptose) der so genannten Perizyten in der Retina verstärken. Perizyten sind Zellen, die der Außenwand von kleinen Blutgefäßen anliegen und für deren Neubildung und Stabilisierung sehr wichtig sind. Werden Perizyten im Auge geschädigt, kann dies zur Erblindung führen.

Diabetes ist die häufigste Ursache für Erblindungen: Nach 15 Jahren Diabetesdauer sind 2% aller Diabetiker blind und bei 10% ist das Sehvermögen stark beeinträchtigt.

Die viel versprechende Erkenntnis der italienischen Wissenschaftler: Wurde Thiamin oder Benfotiamin zu den Perizyten-Zellkulturen hinzugefügt, konnte der schädliche Effekt der schwankenden Blutzuckerspiegel komplett vermieden werden. “Thiamin und Benfotiamin sind in der Lage, die Apoptose der Pericyten zu verhindern”, fasste Berrone zusammen. Das deute erneut darauf hin, dass das Vitamin ein Ansatz sein könnte, diabetischen Gefäßkomplikationen vorzubeugen und/oder diese zu behandeln, so die Wissenschaftlerin.

Schon in früheren internationalen Studien wurde nachgewiesen, dass Benfotiamin wirksam die gefäßschädigenden Mechanismen hemmt, die für Folgeerkrankungen des Diabetes verantwortlich gemacht werden. In der Prävention und Behandlung diabetischer Nervenschäden (Neuropathien) wird die gut verträgliche Thiamin-Vorstufe schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt.

Warum in der Praxis die Vitamin B1-Vorstufe Benfotiamin angewendet wird, erklärt die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB): “Benfotiamin ist fettlöslich und wird dadurch vom Körper und den Geweben in wesentlich größeren Mengen aufgenommen als wasserlösliches Vitamin B1. In den Zellen wird Benfotiamin dann in Thiamin ungewandelt.” Das sei eine wichtige Voraussetzung, um gefäß- und nervschützende Effekte zu erzielen, heben die Wissenschaftler von der GfB hervor.

 

Potenzprobleme

Potenzprobleme – Vorboten des Infarkts

Potenzprobleme weisen auf Gefäßschäden hin, die Jahre später zum Herzinfarkt führen können.

Lässt bei älteren Männern die Fähigkeit zur Erektion nach, kann dies ein erstes Anzeichen für Gefäßschäden im ganzen Körper sein. Die Betroffenen sollten sich deshalb vom Spezialisten untersuchen lassen, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Eine Ursache – viele Erkrankungen

Erektionsstörungen und Herzkreislauferkrankungen haben viel gemeinsam: Sie nehmen im Alter zu und treten häufiger bei Diabetikern, Rauchern und Männern mit hohem Blutdruck oder hohen Cholesterinspiegeln auf. Das deutet auf die gemeinsame Wurzeln hin, eine zunehmende Funktionsstörung des Endothels. Diese hauchdünne Zellschicht ist nicht, wie man früher glaubte, bloß eine “Tapete”, die die Blutgefäße von innen auskleidet. Das Endothel und sein Signalgeber, das Stickstoffmonoxid, halten den Blutfluss aufrecht. Sie stellen die Gefäße weit, regulieren die Blutgerinnung und halten Ablagerungen fern. Das gilt für die Herzkranzgefäße, wo ein Herzinfarkt entstehen kann, genauso wie für die so genannten Helixarterien, durch die das Blut in die Schwellkörper des Penis fließt.

Potenzprobleme als Vorboten für Herz-Kreislauferkrankungen

Interessanterweise gehen Erektionsstörungen den Herz-Kreislauferkrankungen, der häufigsten Todesursache, meist um Jahre voraus. In einer an der Universität des Saarlandes durchgeführten Studie berichteten vier von fünf Patienten mit zunehmender Herzschwäche über Potenzstörungen, deren Beginn bis zu sieben Jahre zurücklag. “Erektile Dysfunktion ist eindeutig ein Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen”, so Studienleiter Prof. Böhm. Deshalb sollten betroffene Männer das Problem nicht alleine mit Potenzpillen “kurieren”, sondern regelmäßig die Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen überprüfen lassen: Blutzucker, Blutdruck, Blutfette, Belastbarkeit des Herz-Kreislaufsystems usw. Der Vorsorgecheck beim Hausarzt deckt diese Risikofaktoren mühelos auf.

Blutdrucksenker als Potenzmittel?

Therapeutisch kommen nach diesen Befunden Wirkstoffe, die die Endothelfunktion verbessern, womöglich auch zur Behandlung von Potenzproblemen infrage. Normalerweise werde beispielsweise ACE-Hemmer und Sartane (letztlich Hemmstoffe des Eiweißes Angiotensin II) gegen hohen Blutdruck und bei Herzinsuffizienz verordnet. Man weiß, dass Angiotensin II nicht nur den Blutdruck steigert, sondern auch nach dem Geschlechtsverkehr den Penis erschlaffen lässt. Im Tierexperiment kann Angiotensin II eine Erektion verhindern – es sei denn, die Tiere wurden zuvor mit Angiotensin-II-Hemmstoffen behandelt. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartane) sind kürzlich in größeren Studien an Patienten mit Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen verglichen worden. Derzeit wird ausgewertet, ob sich bei den Teilnehmern auch eine eventuell vorhandene erektile Dysfunktion gebessert hat. Ein nächster Schritt wäre zu prüfen, ob sich die Medikamente gezielt gegen Potenzstörungen einsetzen lassen. Doch heute ist das noch Zukunftsmusik.

Wenn Arzneimittel zu Mineralstoff-Räubern werden

Wenn Arzneimittel zu Vitamin- und Mineralstoff-Räubern werden

Wirkstoff-Check im Internet

Stuttgart (ots) – Viele Arzneimittel, die gerade chronisch Kranke wie Diabetiker oder Bluthochdruck-Patienten über Jahre hinweg einnehmen, können die Vitamin- oder Mineralstoff-Versorgung des Körpers erheblich stören und so Mangelzustände an diesen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen verursachen. “In der Praxis werden Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Biofaktoren kaum beachtet”, beklagt die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Dabei seien damit ernstzunehmende Gesundheitsrisiken verbunden, die sich leicht vermeiden ließen, warnen die Wissenschaftler.

Aus diesem Grund hat die Gesellschaft für Biofaktoren im Internet unter www.gf-biofaktoren.de einen Wirkstoff-Check mit einer Auswahl der wichtigsten Vitamin- oder Mineralstoff-raubenden Medikamente veröffentlicht. Hier kann sich jeder informieren, welche Arzneimittel die Aufnahme oder Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen, welche Mangelsymptome und Gesundheitsstörungen das zur Folge haben kann und wie man gegensteuert.

Die Liste reicht von dem sehr häufig verordneten Diabetes-Medikament Metformin über Wirkstoffe gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen bis zur Anti-Baby-Pille. Insbesondere B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium werden häufig Opfer der medikamentösen Behandlung.

“Werden Defizite an diesen Biofaktoren nicht ausgeglichen, kann die Therapie unter Umständen zum Bumerang werden”, warnen die Experten von der GfB: Ein Mangel an B-Vitaminen und Magnesium sei beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch Blutbildungsstörungen, Nervenerkrankungen, depressive Verstimmungen und nachlassende geistige Fähigkeiten können Folgen einer Unterversorgung mit diesen essentiellen Stoffen sein. “Besteht ein Mangel, sollte der entsprechende Biofaktor durch ein Präparat ergänzt werden”, raten die Wissenschaftler von der GfB. So könne eine notwendige medikamentöse Behandlung leicht abgesichert und ein überflüssiges Risiko verhindert werden. Zusätzlich sollte natürlich immer auf eine ausgewogene, biofaktorenreiche Ernährung geachtet werden – auch hierzu findet man Informationen im Internetportal der GfB: www.gf-biofaktoren.de.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie viele Einstiche verträgt eine Kinderseele?

Es kann jedes Kind treffen, von einer Minute auf die andere, ohne große Vorwarnung: zuckerkrank!

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 2.000 Kinder neu an dieser unheilbaren Krankheit. Der Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist eine Autoimmunkrankheit, bei der es zu einer Selbstzerstörung der insulinproduzierenden ß-Zellen kommt, die Ursache hierfür ist bis heute immer noch ungeklärt. In der breiten Öffentlichkeit ist die Zuckerkrankheit bei Kindern meist unbekannt, obwohl in Deutschland jeden Tag 3 – 4 neu diagnostizierte kleine Patienten hinzukommen – über 25.000 Kinder und Jugendliche sind bereits davon betroffen. Besorgniserregend ist der ständige, rapide Anstieg des kindlichen Diabetes: In den letzten 10 Jahren hat sich die Zuckerkrankheit bei Kindern verdoppelt!

Bis noch vor einigen Jahrzehnten war der Diabetes Typ 1 eine tödliche Diagnose und erst die Entdeckung und Herstellung des Insulins vor 90 Jahren brachte die Wende. Aber bis heute muss das Insulin jeden Tag gespritzt werden. Eine Behandlung, die besonders Kinder hart trifft. Je besser der Diabetes behandelt wird, umso sicherer sind die Kinder vor den fatalen Spätfolgen wie Erblindung, Amputation, Nieren- und Nervenschäden. Aber eine gute Behandlung erfordert, dass täglich mehrmals Insulin gespritzt wird, bis zu 8 Injektionen am Tag, oft auch nachts – so kann es ein, dass zuckerkranke Kinder bis zu ihrem 15. Lebensjahr 27.000 Mal eine Spritze ertragen müssen. Vor jeder Spritze muss am Finger ein Blutstropfen entnommen werden, damit die Höhe des Zuckers im Blut gemessen werden kann. Viele Kinder wehren sich gegen die Spritze, aber die Eltern müssen das lebensnotwendige Insulin spritzen. So spielt sich der Alptraum jeden Tag aufs Neue ab: Das Kind läuft vor der Spritze weg, versteckt sich und muss festgehalten werden. Das belastet das Eltern-Kind-Verhältnis sehr. Viele Eltern sind schon nach einiger Zeit der lebenslangen Behandlung erschöpft und ausgebrannt.

Aber das Insulin ist nur ein Teil der Behandlung. Ebenso wichtig ist die Umstellung der Ernährung. Das Essen muss abgewogen, berechnet und eingeteilt werden. Spontane Süßigkeiten gehören bei Kindern mit Diabetes der Vergangenheit an. Für die Mutter eines 4-jährigen zuckerkranken Mädchens ist dies eine der größten Belastungen: “Wenn im Kindergarten spontan etwas gefeiert wird, sitzt meine Tochter tapfer aber traurig daneben und isst ihre eigene Mahlzeit”.

Obwohl die medizinische Behandlung Fortschritte bringt, bleiben die seelischen Folgen der Krankheit meist ungelöst. Betroffene Familien brauchen besonders nach der gravierenden Diagnose und bei den vielen psychischen und sozialen Belastungen, denen sie Tag für Tag ausgesetzt sind, intensive Unterstützung, damit sie die Kraft nicht verlieren, die Kinder bestmöglichst zu versorgen.

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Genau hier wirkt die Stiftung “Dianiño – Kindern mit Diabetes eine Zukunft” durch konkrete Maßnahmen entlastend und unterstützend. Dianiño kümmert sich aktiv um erkrankte Kinder, betroffene Familien und betreut sie in akuten Notfällen bei ihren Sorgen und Problemen. Durch diese Hilfe kann oft weiteres Leid verhindert werden.

Prof. Dr. Sawicki als befangen entlarvt

Entwarnung: EU-Behörde sieht derzeit keine erhöhte Krebsgefahr durch Lantus

Mit Erleichterung hat der Deutsche Diabetiker Bund die aktuelle Mitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) zur Kenntnis genommen, wonach eine erhöhte Krebsgefahr durch das Analoginsulin Glargin (Handelsname: Lantus) nicht bewiesen sei. Nach eingehender Prüfung ist der EMEA-Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass die Studien wegen methodischer Schwächen zu widersprüchlich seien und nicht zu eindeutigen Ergebnissen kommen. Um den Verdacht endgültig ausräumen zu können, sollen weitere Untersuchungen auf den Weg gebracht werden.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Rechtsanwalt Dieter Möhler, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Mitverfasser der Studie, Prof. Dr. Peter Sawicki, durch seine Veröffentlichung Panik unter den Betroffenen ausgelöst habe. Hunderte von besorgten Anrufern mussten durch die Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter des DDB beruhigt werden.

Für Dieter Möhler beantwortet sich die Frage, warum Prof. Dr. Sawicki gerade jetzt mit diesen vermeintlichen Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen ist, wie von selbst. Prof. Dr. Sawicki ist Leiter des für die Kosten-Nutzenbewertung von Arznei-mitteln zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). In dieser Funktion ist er verantwortlich für eine gerade veröffentlichte Empfehlung an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Kostenerstattungspflicht von langwirksamen Insulinanaloga (und dazu gehört Lantus) aus dem Leistungs-katalog der Krankenkassen zu streichen. Im Übrigen ist soeben der Vorbericht “Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 – Nachfolgeauftrag” erschienen. Da Prof. Dr. Sawicki seine Empfehlungen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses abgibt, muss er sich nun den Vorwurf eines Interessenkonfliktes gefallen lassen. Es ist ein Skandal, wenn IQWiG und Prof. Dr. Sawicki an einer Studie der AOK mitwirken und gleichzeitig in diesem Institut über die Kostenerstattungspflichten von Krankenkassen entscheiden. Von Unabhängigkeit kann in einem solchen Fall keine Rede mehr sein. Damit ist er in hohem Maße befangen. Dieter Möhler fordert deshalb, die Kosten-Nutzenbe-wertungen von Prof. Dr. Sawicki in seinem Institut neu aufzurollen.

Dieter Möhler weiter: “Wir verstehen das IQWiG als Verwaltungshelfer in diesem System. Auch bei diesem, als privat geltenden Auftrag, müssen die gesetzlichen Vorgaben wissenschaftlicher Ausarbeitungen sowie alters- und lebensspezifischer Besonderheiten unbedingt berücksichtigt werden.” Die von der EMEA vorgenom-mene Ablehnung der Studie resultiert aus dem bewussten Übergehen gerade dieser Besonderheiten. Diese objektive Tatsache erregt bei uns Betroffenen die Besorgnis, dass die IQWiG-Darlegungen in dem Abschlussbericht nicht unparteilich, sondern einseitig “krankenkassenfreundlich” sind. Das schließt eine Verwertbarkeit der IQWiG-Berichte aus, ebenso die weitere Mitwirkung von IQWiG-Mitarbeitern zu dem im Gemeinsamen Bundesausschuss anhängigen Insulinanaloga-Verfahrens.

Der Deutsche Diabetiker Bund wird beim unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess, wegen des vom IQWiG gesetzten “bösen Scheins der Befangenheit” intervenieren. Eine weitere Mitwirkung von Prof. Dr. Sawicki im Verfahren zu den Insulinanalgo sollte unterbunden werden!