Kategorie-Archiv: Nachrichten

Zahnfleischentzündung (Parodontitis) ist bei Diabetikern häufig und verschlechtert die Stoffwechsellage

(12.2.2014)

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eine eindeutige Wechselbeziehung von Diabetes mellitus und Zahnfleischentzündung. So haben Menschen mit Diabetes ein dreifach erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken. Umgekehrt erschwert eine bestehende Parodontitis die gute Stoffwechseleinstellung und führt über die Verschlechterung der Insulinresistenz sogar zum verfrühten Auftreten von Diabetes. Weiterlesen

Look ahead: Lebensstil wirkt – aber keine Wunder

Eine Langzeitstudie untersuchte die Wirkung eines Programms zur Lebensstiländerung

Erste Ergebnisse der US-amerikanischen Look ahead-Studie wurden Ende Juni auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Chicago präsentiert. 5.145 übergewichtige Typ-2-Diabetiker wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, eine mit einem Lebensstil-Programm, das auf Gewichtsreduktion und mehr Bewegung ausgelegt war, und eine Kontrollgruppe mit (für US-Verhältnisse) normaler Diabetesschulung. Nach einem Jahr waren die Effekte der Lebensstiländerung am stärksten, die Teilnehmer hatten 8,6 Prozent ihres Gewichts verloren, die in der Kontrollgruppe nur 0,7 Prozent. Nach zehn Jahren allerdings hatten sich die Effekte der beiden Gruppen angenähert: Zwar hatten die Patienten in der Lebensstilgruppe immer noch 6,0 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren, doch auch in der Kontrollgruppe waren es 3,5 Prozent weniger.

Ähnlich wie das Gewicht änderten sich auch Blutzucker und Blutdruck, das „gute“ HDL-Cholesterin und die Fitness stiegen und auch die Stimmung der Patienten. Die Patienten brauchten weniger Insulin und auch weniger LDL-Cholesterin-senkende Medikamente, das „schlechte“ Cholesterin sank trotzdem in beiden Studienarmen, wenn auch in der Kontrollgruppe etwas stärker. Um 31 Prozent sank in der Gruppe mit Lebensstiländerungen im Vergleich zur Kontrollgruppe das neue Auftreten von schweren Nierenschädigungen, das einer Retinopathie um 14 Prozent. Zudem waren für die Patienten mit Lebensstiländerung die Kosten für Krankenhausaufenthalte und auch für Medikamente geringer als für die Kontrollgruppe.

American Diabetes Association - Rena Wing

„Es gibt viele Vorteile einer intensiven Lebensstil-Änderung“, fasste die Studienleiterin von Look ahead, Prof. Dr. Rena Wing, Providence, zusammen. Leider, leider wurde die Studie hauptsächlich konzipiert, um die Effekte eines Lebensstil-Programms auf die Anzahl an Infarkten, Schlaganfällen, kardiovaskulär bedingtem Tod und Krankenhauseinweisungen wegen Angina pectoris zu untersuchen. Bei diesem Summen-Parameter und auch den einzelnen Endpunkten fanden die Forscher keine Unterschiede zwischen der Lebensstil- und der Kontrollgruppe.

Dafür könne es verschiedene Erklärungen geben, sagte Wing in Chicago: Vielleicht müssen größere Gewichtsunterschiede über eine längere Zeit aufrechterhalten werden, um einen Effekt zu sehen. Vielleicht hat auch die medizinische Behandlung der Kontrollgruppe die unter Umständen vorhandenen Vorteile wieder ausgeglichen; die Ärzte der Patienten in beiden Gruppen hatten während der zehn Jahre freie Hand, ihre Behandlung anzupassen. Schließlich könne es auch schlicht sein, dass solche Interventionen früher in der „Diabeteskarriere“ stattfinden müssen.

Die Organisatoren von Look ahead werden die Patienten der Studie weiter beobachten, auch wenn die eigentliche Lebensstil-Intervention gestoppt wurde. Man wird also auf jeden Fall weitere Erkenntnisse über die Folgen einer solchen Intervention gewinnen.

Psychische Störungen bei Diabetes:

Hohe Dunkelziffer mit großen Problemen

Angststörungen, Depressionen und Essstörungen: Diese Krankheiten stellen für Menschen mit Diabetes und deren Therapeuten eine besondere Herausforderung dar. Die neue Leitlinie „Psychosoziales und Diabetes“ beschreibt den aktuellen Wissenstand und gibt Hinweise und Tipps für das Erkennen und Behandeln dieser Erkrankungen.

Das Risiko für eine Depression ist bei Menschen mit Diabetes zwei- bis dreifach erhöht. Jeder zehnte Diabetiker ist betroffen. Daraus resultiert eine eingeschränkte Lebensqualität. Die depressiven Symptome beeinträchtigen die eigenverantwortliche Behandlung, Therapietreue und Prognose (schlechtere Einstellung, mehr Folgeerkrankungen, höhere Gesundheitskosten) des Diabetes.

Angststörungen finden sich bei 9% der Allgemeinbevölkerung und sollen bei Menschen mit Diabetes nicht häufiger sein; allerdings können spezielle Ängste die Diabetes-Behandlung deutlich beeinträchtigen: Vor allem die Angst vor Unterzuckerungen ist problematisch, wenn ein sogenannter „Wohlfühl-Zucker“ persönlich als Zielbereich festgelegt wird, der über dem nach medizinischem Wissen erforderlichen Ziel-Blutzucker liegt.
Esstörungen stellen eine besondere Herausforderung für die Betreuung dar.

Als Risikofaktor gelten chronische Erkrankungen in der Phase der Persönlichkeitsentwicklung und Erkrankungen, die eine Kontrolle der Nahrungsaufnahme verlangen – beide Kriterien sind bei jungen Typ-1-Diabetikern erfüllt; während die Anorexia nervosa (Magersucht) bei Diabetikerinnen nicht häufiger sein soll nimmt die Zahl der Bulimie-Erkrankungen („Fress-Sucht“) deutlich zu und soll bereits dreimal häufiger bei jungen Diabetikerinnen vorkommen, als bei Gleichaltrigen ohne Diabetes-Erkrankung. Bei krankhafter Furcht dick zu werden wechseln „Fressattacken“ mit nachfolgend gegenregulierenden Maßnahmen. Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln sind gängige Methoden; bei Menschen mit Diabetes spielt aber vor allem das Insulin-Purging eine bedeutende und sehr problematische Rolle: Dabei wird das erforderliche Insulin zu den Mahlzeiten bewusst reduziert oder gar weggelassen. Nachfolgend scheidet die Niere der Betroffenen große Mengen Zucker und somit Kalorien aus. 60% der essgestörten und immerhin 30% der jungen Diabetikerinnen ohne Essstörungen sollen diese Methode anwenden. Folgen sind Ketoazidosen, schwankende Zuckerwerte ohne erkennbare Systematik, schlechtere HbA1c-Werte und eine schlechtere Langzeitprognose.

Leichten psychischen Störungen und Erkrankungen können Behandler im Rahmen der Diabetesbetreuung (Schulung, engmaschige Betreuung, Empowerment-Konzept) und der hausärztlichen psychosomatischen Grundversorgung begegnen. Nicht selten aber bedarf es einer fachärztlichen psychotherapeutischen Behandlung; und der Anspruch auf speziell diabetologisch ausgebildete Psychotherapeuten („Fachpsychologe Diabetes DDG“) bleibt leider nicht selten nur Wunsch.

Typ-2-Diabetes – erhöhtes Arthrose-Risiko

(02.09.13) Diabetiker haben entsprechend einer aktuellen Studie der Uni Erlangen ein doppelt so hohes Risiko, innerhalb von 20 Jahren ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk zu erhalten, wie Nicht-Diabetiker.

In der Studie wurden die Daten von  fast 1000 Männern und Frauen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren analysiert, darunter 69 Diabetiker mit einem mittleren HbA1c-Wert von 7,2%. Unabhängig vom Alter und  vom Gewicht hatten Diabetiker im Vergleich mit Nicht-Diabetikern ausgeprägtere Beschwerden und deutlichere strukturelle Veränderungen der betroffenen Gelenke.

Welche Blutdrucksenker-Kombi die Nieren am besten schützt

(1.12.2013) Typ-2-Diabetiker mit Bluthochdruck müssen oft mit zwei Blutdrucksenkern behandelt werden. Welche Kombination der Substanzklassen am besten die Nieren der Patienten schützt, haben jetzt Forscher untersucht.

TAIPEH. ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten werden in praktisch allen Leitlinien als Therapie der ersten Wahl für Diabetiker mit Bluthochdruck empfohlen.Welcher der beiden RAS-Blocker wirksamer vor Nierenversagen schützt und daher zu bevorzugen wäre, lässt sich aufgrund der wenigen Vergleiche nicht beurteilen.Hinzu kommt, dass die meisten Patienten mit Typ-2-Diabetes einen zweiten Blutdrucksenker benötigen. Bisher sind sich die Experten nicht einig, mit welcher Substanzklasse idealerweise kombiniert werden sollte.Deswegen haben Ärzte aus Taiwan nun die vorhandenen randomisierten Studien mithilfe einer bayesischen Netzwerk-Metaanalyse erneut ausgewertet (BMJ 2013; 347: f6008).

Drei Endpunkte definiert.
Bei diesem statistischen Verfahren werden direkte und indirekte Vergleiche kombiniert. Das hat den Vorteil, dass die Datenbasis für Substanzklassen, die nie oder selten gegeneinander angetreten sind, vergrößert wird. In die Metaanalyse flossen die Ergebnisse von 63 Studien mit zusammen 36.917 Patienten ein, die Tod (n = 2400), Dialysepflicht (n = 766) oder Verdopplung des Serumkreatinins (n = 1099) als Endpunkte definiert hatten. In puncto Mortalität ergab sich ein signifikanter Unterschied gegenüber einer Placebobehandlung einzig mit Betablockern: Ihr Einsatz ging mit einer erhöhten Sterberate einher.Die Kombination aus ACE-Hemmer und Kalziumantagonist, obwohl nicht signifikant verschieden von Placebo, konnte die Mortalität am ehesten reduzieren. Die Plätze zwei und drei besetzten ACE-Hemmer plus Diuretikum bzw. ACE-Hemmer allein. Ein terminales Nierenversagen ließ sich mit keiner Substanzklasse signifikant wirksamer vermeiden als mit einer anderen. Mit ACE-Hemmern, dicht gefolgt von AT-II-Antagonisten, war die Chance aber noch am größten. Am schlechtesten schnitt hier die Kombination aus ACE-Hemmer und Diuretikum ab.

Autoren empfehlen Kombination mit Kalziumantagonisten
Nur mit ACE-Hemmern gelang es signifikant besser als mit Placebo, eine Verdopplung des Serumkreatinins zu verhindern. Auch hier waren Sartane die zweitbeste Therapieoption, Betablocker dagegen die ungünstigste.

“Unsere Analyse zeigt die nierenschützende Wirkung und die Überlegenheit von ACE -Hemmern bei hypertensiven Patienten mit Diabetes, und ebenso die schädlichen Effekte von Betablockern”, so die Studienautoren um Hon-Yen Wu von der Universität in Taipei.Da die Daten keinen Vorteil von AT-II-Antagonisten gegenüber ACE-Hemmern erkennen ließen, spreche dies – wegen der geringeren Kosten – für ACE-Hemmer als Therapie der ersten Wahl.Bei unzureichender Blutdruckkontrolle raten Wu und Kollegen aufgrund der Analyse bevorzugt zur Kombination mit einem Kalziumantagonisten.

Beate Schumacher Ärztezeitung 28.11.2013